Veränderung in den Faszien

Wie kommt es zur Entspannung im Bindegewebe?

1.Schritt -  Umschalten im Vegetativum

Durch Druck auf die Interstitiellen Myofaszialen Geweberezeptoren (vielleicht spielen die Ruffini´schen Körperchen auch eine Rolle) wird das Vegetative Nervensystem aktiviert, mit unterschiedlichen Reaktionen. So sinkt der Blutdruck, Puls und Atemfrequenz steigen, die allgemeine Muskelspannung nimmt zu. Der behandelte Bereich wird stärker durchblutet.  Ein rasches Umschalten von Parasympathikus zum Sympathikus und wieder zurück stresst den Patienten. Die Entspannung der Muskulatur wir als wohltuend empfunden (Parasympatikus), der auftretende Schmerz zur Spannungslösung zwingt den Sympathikus wieder in den Vordergrung.

2. Schritt – Plasmaexpression aus Arterien und Venen

Als vasomotorische Antwort auf den lokalen Druckreiz drücken die Gefässe vermehrt Flüssigkeit in die Extrazelluläre Matrix. Das einstömende Blutplasma, davon sind 99% Wasser, füllt den umgebenen See auf, zur Vorbereitung und Voraussetztung für den kommenden, intensiven Stoffwechselaustausch. Der Handlungsspielraum für eventuell notwendige werdende Aktivitäten wird deutlich erhöht. Jetzt können die Hilfstruppen anrücken, um die lange vernachlässigte und verspannte Muskel-Faszien-Region zu versorgen. Jetzt kann der Stoffwechsel aktiviert und die Zellen wieder funktionsfähig gemacht werden.

3. Schritt – Piezoelektrische Aktivität

Wasser ist das universelle Lösungs- und Transportmittel für Gase, Ionen und Moleküle. Bei einer normalen Körpertemperatur befindet sich ein grösserer Teil des Wassers in einer kristallähnlichen Form, und kann sich so leicht mit Zuckermolekülen verbinden. Diese kristallinen Strukturen können dann auf alles mögliche reagieren, zum Beispiel auf elektomagnetische Felder, aber auch auf Strahlung, Farben, Temperatur, Druck usw.

Für die Lösung unseres Problems ist der Druck interessant. Durch mechanische Verschiebung der Sehne werden die dort wohl nicht zufällig vermehrt vorkommenden Kristalle zusammen gepresst, die Molekülgitter verschieben sich und damit verändert sich auch die elektrische Ladung. Wirkungsweise des Piezoelektrischern Effektes in der SchmerztherapieDas ist ein normaler Piezoelektrischer Effekt. Wir kennen ihn alle vom täglichen Gebrauch moderner Feuerzeuge oder Gasherde. Mechanischer Druck auf einen Kristall erzeugt eine elektrische Spannung, die beim Loslassen freigesetzt wird und das Gas entzündet.

Die in der Sehne freigesetzte elektrische Ladung läuft blitzschnell durch das Bindegewebe. Die Energiezufuhr reicht als Impuls zur einer Veränderung innerhalb der Zelle. Jetzt ist die Voraussetzung für die Einlagerung von Wasser gegeben. Ausserdem werden die Zellen aktiviert, die für den Umbau des Bindegewebes zuständig sind, nämlich die Fibroklasten für den Abbau und die Fibroblasten für den Aufbau von neuem Bindegewebe. Der Um- und Aufbau einer neuen Sehne unter besseren Bedingungen kann beginnen.

4. Schritt – Thixotropie, der magische Wandel

Normale ungeordnete Lage von Fibrillen und Hyaloronsäure Obwohl eine Sehne reisst, wenn sie unter Prüfbedingungen um ca. mehr als 2% gedehnt wird, besteht sie nicht aus einer festen Substanz, einem Material, was konstante Eigenschaften hat. Physikalisch ist sie eher einzuordnen unter die nichtnewtonschen Fluide. Das sind Stoffe, die ihre Viskosität (Zähflüssigkeit) ändern können. Das heisst, die Sehne ist mal mehr fest (visköser) und manchmal mehr flüssig. Dieser Übergang vom Gelzustand (fest) zu einer Solphase (flüssig) ist nur möglich durch Energiezufuhr. Bei unserer Behandlung wird das erreicht durch eine tangentiale Scherung zur Zugrichtung der Sehne. Mit dem Erweichen der Sehne ist wird die Spannung herausgenommen, die kollagenen Bindegewebsfibrillen verschieben sich gegeneinander und ordnen sich wieder neu. Ohne Operation haben wir eine Verlängerung erreicht. Nach diesem Prozess wird die Sehne wieder fest.

Wie kann diese Umwandlung geschehen? Das Geheimnis liegt in der Hyaloronsäure, einem wesentlichenBestandteil des kollagenen Bindegewebes. Hyaloronsäure kann Wasser binden und einlagern bis zum 200-fachem seines eigenen Volumens. Das kann man sich schwer vorstellen, denn in unserer makroskopischen, sichtbaren Welt gibt es so ein Phänomen nicht. Das wäre in etwa so wie wenn ein Masskrug auf die Grösse einer Badewanne anschwellen würde. In der schematischen Zeichnung oben sehen wir die Fibrillen ziemlichKollagenfasern geordnet durch Wasseraufnahme in Hyaloronsäure dicht, fast verfilzt beieinander liegen. Die langen, dünnen Kollagenmolleküle liegen locker dazwischen. Jetzt nehmen diese dünnen Streifen Wasser auf (die nebenstehende Abbildung). Nehmen wir an, sie werden 10-mal so dick. Sehen Sie, wie die Fibrillen auseinandergeschoben werden, wie Platz entsteht und die Fibrillen nun leicht gegeneinander gleiten können? Durch die Wasseraufnahme wird das Gewebe weich und die überspannte Sehne richtet selbst ihre passende Länge wieder ein. Der Bewegungsspielraum ist sofort erhöht, für Schmerz gibt es keinen Grund mehr.


5. Schritt – Aktivierung, Austausch und Erneuerung der Extrazellulären Matrix

Durch die Senkung des Sympathikotonus werden die Endgefässe beeinflusst. Die Interstitiellen Mechanorezeptoren erhöhen den Vagustonus und stimulieren so den Hypothalamus, ein Teil des Limbischen Systems. Die Antwort erfolgt auf neuronalem Wege und über das endokrine Hormonsystem. Die geniale Selbstregulation des Körpers kann jetzt wieder in Kraft treten. Alle benötigten Substanzen werden produziert, zusammengebaut und in die Region transportiert, in der wieder ein normaler Stoffwechsel stattfinden kann. Wie gross diese Aktivitäten sind, mag man daraus entnehmen, dass die lokale Grundsubstanz  innerhalb von 2-5 Tagen komplett ausgetauscht wird. Ausgeschieden werden die Abbauprodukte, die nicht mehr verwertet werden können, wie üblich über Darm, Niere, Haut und Lunge. Eine gewaltige Leistung, die auch nicht so ohne weiteres am Patienten vorübergeht. Je nach Alter und Fitnesszustand kann sich diese Belastung äussern als Muskelschmerz (Muskelkater durch Anreicherung des Stoffwechselproduktes Milchsäure), Schmerzen im Muskelbereich und allgemeiner Erschöpfung für wenige Stunden bis zu einer Woche. Trinken von viel Wasser unterstützt diesen Prozess positiv.