Veränderung im Muskel

Wie kommt es zur Entspannung im Muskel?

  • Durch Druck auf das Sehnenorgan einer Muskelsehne (Golgi Apparat) wird ein Reflex ausgelöst
  • Der Reflex entspannt sofort den betroffenen Muskel
  • Über das zuständige Rückenmarksegment wird der Gegenmuskel reflektorisch auch entspannt
  • Im Gehirn wird der Befehl zum Schutzschmerz gelöscht


Das geschieht alles gleichzeitig innerhalb von wenigen Minuten.

Vereinfacht dargestellt läuft es in etwa so ab:

Im Muskelsystem gibt es zwei unterschiedliche Messstellen oder Sensoren. Eine liegt in der Sehne und wird Golgi- Sehnenorgan genannt. Hier sind die Rezeptoren hintereinander geschaltet, damit sie jede, noch so geringe Veränderung der Muskelspannung, das heisst der Länge des Muskels, erfassen können. Die andere Messstelle befindet sich im Muskelbauch. Diese Muskelspindeln (Propriorezeptoren) liegen parallel zu den Arbeitsmuskelfasern und sind ideal, um die Muskeldehnung zu messen, also die Dicke des Muskels. Ihre Hauptaufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Muskellänge insgesamt konstant bleibt.

Reflexbahnen in der Schmerztherapie

Zur Entspannung des Muskels brauchen wir also einen Trick, um den Muskelspindeln eine grössere Länge des gesamten Muskels vorzutäuschen. Und dieser Trick sieht so aus.

Drückt man die Spindel in der Sehne, so wird diese in die Länge gezogen und gestreckt. Der Körper muss das deuten als “der ganze Muskel ist verlängert” und diese Information wird er auch weiter geben. Die Botschaft wird ohne Umschweife (disynaptisch) zum entsprechenden Rückenmarkssegment geleitet. Der Arbeitsmuskel, in unserer Abbildung der Streckmuskel, ist in Wirklichkeit kürzer als die Messung des Sehnenorgans vorgibt. Also muss er sich verlängern und entspannen. Die Spindeln innerhalb des Muskels registrieren natürlich sofort die neuerliche Verlängerung, da sie selbst breitflächig betroffen sind und melden den jetzt vorliegenden Zustand wieder ans Rückenmark. Noch ein kurzer Abgleich mit den gedrückten Sehnenorganen und die neue Situation wird weiter geleitet zur Zentrale, dem Gehirn. Die Nachrichten fliegen hin und her und so wird eine Faser nach der anderen entspannt.

Es wird aber noch ein andererer Mechanismus in Gang gesetzt durch den Druck auf die Sehnenspindel. Wenn die Information „Muskel ist verlängert“, also weniger verspannt, das Rückenmark errreicht, wird auch der Gegenmuskel zur Reaktion veranlasst, in unserem Schaubild der Beugemuskel. Er wird auch gelockert, die Spannung nimmt ab, und somit bleibt das muskuläre Gleichgewicht erhalten. Die neuen, hier gewonnenen Messdaten aus Sehnen- und Muskelspindeln werden ebenfalls nach oben weiter gemeldet zur feinmotorischen Kontrolle ins Gehirn. Wenn alles in Ordnung ist, kann der Schmerz im Gehirn abgeschaltet werden.

In der Realität sind nicht alle Mechanorezeptoren in einer Behandlungssitzung zu erreichen. Also bleibt meist ein Teil der Schmerzen nach dem ersten Tag erhalten.