Überbein - Ganglion,

lediglich ein Warnzeichen, "pass auf Arm und Hände auf"

das weiss inzwischen jeder. Ein Überbein muss nicht operativ entfernt werden. Es ist ein Zeichen, irgendwie funktioniert die Hand nicht mehr so richtig. Die Versorgung ist nicht optimal und die Sehnen gleiten nicht mehr so richtig. Es lohnt sich ein Blick auf die Schulter zu werfen und hier nach einer Ursache zu suchen.

Der Name Überbein für Ganglion ist irreführend. Es handelt sich nämlich bei dem harten Knoten, den wir tasten,nicht um einen Knochen (=Bein), sondern um die Ausstülpung einer gereizten, entzündeten und stark geschwollenen Sehnenscheide, am häufigsten zu sehen auf der Oberseite des Handgelenks.

Überall am Körper, wo lange Sehnen einem Bogen machen, wie am Fuss oder über einem Gelenk abgeknickt werden können, wie an der Hand oder die Sehnen einfach auf einem Knochen scheuern könnten, wie am Hüftknochen, überall da sind Sehnenscheiden eingebaut. Normalerweise nicht tastbar, umschliessen sie als kleine Säckchen, dünn wie Cellophanpapier, für eine kurze Strecke die Sehne. Innen befindet sich eine zähe, glitschige Flüssigkeit. So wird sicher gestellt, dass auch bei sehr starker Belastung die einzelnen Sehnen in ihrem Kanal aber auch gegeneinander mühelos gleiten können.

Bei einer kontinuierlichen Überbelastung kann es erst zu einer Reizung, dann zu einer Entzündung kommen. Das kleine, dünne Säckchen wird aufgebläht, weil immer mehr Flüssigkeit gebildet wird. Ab und zu kommt es zu einer Ausstülpung an der Oberseite, ein steinharter Knubbel entsteht, eben das Überbein.

Eine Ruhigstellung kann vorübergehend eine Besserung bewirken, aber sobald wieder belastet wird, ist der alte Zustand wieder da. Früher hat man das Überbein einfach zerdrückt oder zerschlagen, später dann versucht, abzusaugen. Bleibt die Reizung bestehen, bildet sich weiter Flüssigkeit. Damit ist also wenig gewonnen. Das gängige Vorgehen heute, eine Operation, kann nicht verhindern, dass in einem viertel der Fälle ein Rezidiv auftritt.

Allen Verfahren ist eins gemeinsam. Sie haben die Ursache der Schädigung nicht beseitigt, nämlich die Belastung durch die Sehne. Die ist verkürzt durch eine dauernde, gleichmässige Belastung. In unserem Fall ein übermäßiges Strapazieren der Armstrecker. Dadurch, dass man den Handrücken dauernd und/oder immer wieder nach oben zum Unterarm abknickt. Betroffen kann sein der Stubenhocker als Keyboardschreiber oder Mausbediener oder der Aktivsportler als Handballspieler oder Karatekämpfer.

Die einzig sinnvolle Therapie beim Überbein (Ganglion) besteht in einem Weichmachen und Verlängern der übermässig angespannten Sehne. Das geht ohne Spritzen und ohne Operation. Ein dosierter Druck auf ganz bestimmte Abschnitte der Sehne verändert das bindegewebige Kollagen. Die einzelnen Fasern können sich jetzt wieder gegeneinander verschieben mit dem Effekt, dass die Sehne in ihrer Gesamtheit länger und geschmeidiger wird.

Es lohnt sich aber auch noch einen Blick auf die Gegend zu richten, die gewissermassen einen Versorgungsengpass für den gesamten Arm darstellt. Gemeint ist der enge Bereich zwischen Schlüsselbein und Rippen, durch sich alle Nerven und Gefässe zur Versorgung des Armesund der Hand durchwinden müssen. Ist das Schulterblatt zu weit nach vorne gerutscht und werden dadurch die Schultern nach unten gezogen, kann der Raum eng werden. Das äussert sich dann im häufigerem Einschlafen des Armes oder in einem unangenehmen Kribbeln in der Hand. Ein Zeichen, dass etwas getan werden muss.

Wenn Sie locker und bequem stehen und Ihre herabhängenden Arme betrachten, dann sollten ihre Handrücken nicht in Gehrichtung zeigen. Ein sicheres Zeichen für einen (bald) zu engen Schulterspalt. Hier hilft nur, die Schulterlücke wieder zu vergrössern.