Umdenken, Schmerzen einordnen, Verjüngung

Wie ist das mit den Schmerzen?

Die erste Frage, die regelmässig gestellt wird, ist die: "Wie schmerzhaft ist die Behandlung?" Das ist auch verständlich, denn die meisten Leute, die diese Webseite aufrufen oder in meine Praxis kommen, haben Schmerzen. Sie haben so lange gewartet, bis das Gehirn nicht mehr ganz zufrieden war mit der allgemeinen Sicherheitslage und sich entschlossen hat, Sie höflich darauf aufmerksam zu machen, sich einmal umzuschauen und etwas zu verändern, eben durch Schmerzen.

Hier gilt es zu unterscheiden zwischen der Behandlung in der Sprechstunde und der Eigenbehandlung zu Hause.

Schmerzen während der Behandlung

Gegen alle Erwartungen werden Sie vom Therapeuten keinem nennenswerten Schmerz ausgesetzt sein. Nur in Ausnahmefällen macht es einen Sinn, diese Regel zu verlassen und auch nur dann, wenn damit ein sofortiger Effekt erreicht werden kann. Zum Beispiel im Schulterbereich kann ein nicht sofort erkanntes und behandeltes Trauma zu kompletter Unbeweglichkeit des Arms führen. Mit zunehmendem Abstand zum betreffenden Ereignis versteifen und verhärten nicht nur die Sehnen, sondern es kommt zu diffusen Verklebungen, die zu weiterer Unbeweglichkeit zwingen. Hier kann man vorsichtig manuell die einzelnen Schichten der Gewebe trennen. Das kann ziemlich schmerzhaft sein. Es bedeutet aber auch, dass man danach den Arm in diesem Rahmen wieder deutlich besser (uneingeschränkt) bewegen kann, und zwar ohne jegliche Schmerzen.

Angenehm ist sie nicht, Ihre Selbst-Therapie

Ganz angenehm ist die myofasziale Umstellungstherapie nicht. Besonders ältere und sehr empfindliche Patienten werden möglicherweise Schwierigkeiten haben, die Selbstbehandlung konsequent umzusetzen.

Wir müssen zwischen zwei verschiedenen Arten von Schmerz unterscheiden.

Einerseits gibt es jene Schmerzen, die durch die Übung ausgelöst werden, anderseits jene, die damit nichts zu tun haben und im Laufe des Tages irgendwann auftreten. So, wie sie auch ohne die Übungen aufgetreten wären.

Der Schmerz während der Übung

Fast alle Übungen sind statische Übungen. D.h., Sie bewegen sich gar nicht oder nur sehr wenig. Selbst für einen aufmerksamen Beobachter liegen Sie einfach nur ruhig da. Die Positionen sind allerdings nicht unbedingt als bequem zu bezeichnen, und da ja etwas im Prinzip grundsätzlich geändert werden muss (verlängert oder beweglicher gemacht) geht das nicht ohne ein Quäntchen von Gewalt. Dieser Schmerz wird nach ein paar Tagen deutlich weniger werden (Sie haben sich daran gewöhnt) und die meisten Patienten tolerieren ihn ganz gut, sei es den Druck im Kreuz oder das schmerzhafte Ziehen im Oberschenkel. Etwas anderes ist es mit den Schmerzen, derentwegen Sie gekommen sind und die Sie loswerden wollten. Da kann auch manchmal folgendes passieren:

Der ursprüngliche Schmerz nimmt nicht ab

Mit großen Hoffnungen sind sie in die Praxis gekommen und erwarten natürlich, dass auch möglichst rasch ein Resultat zu spüren ist. Aber der Erfolg lässt auf sich warten. Sie machen jeden Tag brav Ihre Übungen, aber nichts verändert sich. Es wird Sie auch nicht sonderlich trösten zu wissen, wie mitfühlend Ihr Gehirn zu Ihnen ist, weil nur eine Seite von den Schmerzen betroffen ist, obwohl ganz klar an den Verspannungen zu erkennen ist, dass eigentlich  die andere Seite Ihres Rückens genauso weh tun müsste. Irritieren wird Sie womöglich auch, dass die Schmerzen unterschiedlich auftreten. Einmal sind sie einen halben Tag gar nicht mehr vorhanden, dann sind sie abends plötzlich wieder da. Wenn sie wollten, könnten Sie natürlich Schmerzmittel nehmen, da das Ende ihrer peinvollen Zeit ja zum Greifen nah ist.

Der Schmerz wird mehr anstatt weniger

Das sind die üblichen Beschwerden am 2. oder 3. Tag nach Beginn der Übungen. Jeder erwartet natürlich eine Verbesserung. Und dann das! Wie eine kalte Dusche muss das sein, man erwartet eine Erlösung und jetzt verspürt man Schmerzen bei jeder Bewegung, an Durchschlafen nicht zu denken, das Gefühl, richtig krank zu sein. Ist das wirklich die richtige Therapie?

Ein unbekannter Schmerz tritt auf

Ziemlich irritierend ist es immer wieder, wenn der ursprüngliche Schmerz sich zurückgezogen hat, aber plötzlich an einer anderen Stelle, die vorher noch gar nicht in Erscheinung getreten ist, etwas weh tut. Das kann sehr schwankend sein. Es ist einmal da, dann ist es wieder weg, dann erscheint es an einer anderen Stelle, ziemlich störend kann das sein.

Wohnungsrenovierung

Grundsätzlich geht es um eine Erneuerung, einen Umbau, eine Neugestaltung. Der ganze Körper wird nachhaltig verändert. Wenn Sie sich die Spannungslinien im Schema genau ansehen, dann werden Sie feststellen, wie konsequent diese Muskel-Sehnen-Ketten immer den gesamten Körper durchziehen, von der Fußspitze bis zum Kopf. An allen möglichen Ecken wird gearbeitet. Stellen Sie sich vor, Sie lassen Ihre Wohnung renovieren. Schon am zweiten Tag sind die Gänge verstellt, überall steht Baumaterial herum, der Boden ist schmutzig, die Fenster sind beschlagen, Sie finden keinen Stuhl mehr, um sich hinzusetzen. Sie finden aber auch Ihre Brille nicht mehr und die Kühlschranktür klemmt. Das alles wird mehrere Tage oder sogar Wochen dauern. Sie werden es überstehen, weil Sie sich auf Ihre neue Wohnung wirklich freuen. Also hadern Sie nicht mit Ihrem Schicksal. Nach ein paar Tagen haben Sie sich daran gewöhnt. Auf jeden Fall lohnt sich das Weitermachen.

Das Gewebe wird erneuert

Es findet nun auch eine tiefgreifende Veränderung des Körpers und nicht nur ein Wandel statt. Man kann mit Fug und Recht behaupten, es sei eine grundlegende Erneuerung, ja, in gewisser Weise eine Verjüngung, die sich da abspielt. Weil dieser Wandlungsprozess ja auch schmerzhaft sein kann, wird derjenige besser damit zurechtkommen, der sich die Mühe gemacht hat, zu verstehen, was da überhaupt passiert. Alte Vorstellungen von Schmerzursachen und mechanischen Kausalketten sollten wir verlassen. Knochenstrukturen und Gelenke für die Schmerzen verantwortlich zu machen, zeugt von einer gewissen Hilflosigkeit.

Es ist also ein Verjüngungsprozess

Der immer wiederkehrende Hinweis, es handele sich eben um Abnutzungserscheinungen, die unvermeidbar sind, kommen gut an, treffen aber nicht den Kern. Es sind vielmehr Ausreden, weil man es nicht besser weiss. Sie sind aber auch ein Zeichen von Hilflosigkeit und Ohnmacht. Wir haben etwas vergessen. Wir sind lebende Wesen, die sich selbst reparieren können und das auch tatsächlich Tag und Nacht unermüdlich tun. Wir sind keine Autos, an denen laufend irgendwelche Teile repariert und ausgetauscht werden müssen.

Momentan die beste aller Möglichkeiten – bis es etwas Neues gibt.

Auch die hier von mir vertretene Vorstellung der verhärteten Faszien und deren Umbau mag in 50 Jahren ein Schmunzeln hervorrufen, weil neue Erkenntnisse wieder zu einem Umdenken zwingen. Aber zumindest heute gibt es keine Theorie, die so modern ist, so viel erklären kann und so schlüssig ist und vor allen Dingen so schnellen und dauerhaften Erfolg bringt. Sie ist deswegen für den Augenblick die richtige, weil sie überall am Körper erfolgreich angewendet werden kann, und durch die Übungen die meisten grossen Plagen der Menschheit mit einfachen Mitteln gemildert werden können.

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