Ischias - Ischialgie 

Hat denn der Nerv tatsächlich etwas damit zu tun? 

Ohne Nerv geht es schneller – und vor allem klappt es

Es ist schon ganz erstaunlich, aber mit diesem Krankheitsbild scheint die offizielle Medizin nicht so richtig zurechtzukommen. Dabei ist es gar nicht so schwer, wenn Sie es aus einer anderen Perspektive betrachten. Nebenbei könnte ein beachtlicher Teil an Kosten vermieden werden.

Was ist das, Ischialgie?

Wissen Sie genau, was Ischialgie ist? Hier fängt die grosse Begriffsverwirrung schon an. Jeder Schmerz im unteren Rücken, am Po, an der Hüfte und am Bein wird je nach Therapeut dem Ischias zugeschrieben. Wir sollten jedoch klar die verschiedenen Auslösemechanismen unterscheiden, sonst werden sich frustrierende Fehler bei der Behandlung einstellen. Da die konventionelle Medizin die Möglichkeit des Informationsaustausches über die Faszien noch nicht berücksichtigt, wundert es nicht, wenn viele Fragen ungelöst bleiben. Ohne die Kenntnis, wie Faszien funktionieren, und ohne das Wissen, wie Faszien-Schmerzen aus den Muskeln, Sehnen und Gelenkkapseln entstehen, ist eine moderne Ischias-Therapie nicht mehr denkbar.

Sie fragen einen Operateur um Rat 

Wenn Sie länger ein Problem mit dem Ischias haben, werden Sie wahrscheinlich Hilfe bei einem Orthopäden oder Chirurgen suchen (die hauptsächlich gelernt haben zu operieren). Bei Bedarf wird eventuell noch ein Nervenfachmann eingeschaltet. Der weitere Ablauf in der Logik und der Therapie ist damit vorgezeichnet.

Die Spur des Ischias'

Schon der Name Ischialgie führt auf die falsche Spur. Der Ischias ist nicht ein Nerv. Er besteht nämlich aus zwei Hauptnerven, die bis tief in den Fuss hineinziehen. Aus dem Wirbelkanal zwischen L4 und L5 und zwischen L5 und S1 treten eine ganze Reihe von Nervenfasern aus, die Becken und Beine versorgen müssen. Diese bilden dann ein gemeinsames Geflecht (Plexus). Das sieht aus wie das Geflecht verschiedener Weichen auf einem Rangierbahnhof. Nur im kurzen Stück zwischen den Knochen können wir Probleme erwarten, weil hier die Wirbelsäule am stärksten gebogen ist und damit die Austrittslöcher leichter verengt werden.

Der Nerv ist gut geschützt

Aus dem Nervengeflecht gibt es eine Abzweigung, der Ischias Nerv, dessen einer Teil zuständig ist für die Innenseite von Bein und Fuss, der andere für die Aussenseite. Bis zum Knie ist der Ischias mit einer straffen, bindegewebigen Hülle umwickelt, die den Nerv nach aussen gut gegen Verletzungen oder Quetschungen abschirmt. Deswegen kann es nur selten auf diesem oberen Abschnitt zu Irritationen kommen. Eigentlich nur bei Unfällen. Wenn Sie morgens aus dem Bett steigen und sich plötzlich nicht mehr bewegen können, kommt bestimmt nicht eine Verletzung des Nervs in Frage. Mit dem gesamten Becken, dem Pobereich und der Vorderwand des Oberschenkels hat der Ischias überhaupt nichts zu tun. D.h. die in diesem Bereich auftretenden Schmerzen müssen anders erklärt werden.

Ischias ist einfach ein Nerv, der so populär geworden ist, dass die Schmerzen, die entlang des Versorgungsgebietes auftreten, eben bisher einfach Ischias oder Ischialgie genannt werden. Wir wollen dieser Bezeichnung folgen, um nicht unnötige Verwirrung zu stiften.

Theoretische Möglichkeiten

Obwohl wir schon bei diesem alten, gewohnten Begriff bleiben, müssen wir doch drei grundverschiedene Mechanismen (auslösende Prinzipien) auseinanderhalten.

  • ·         Schädigung oder Irritation der Nerven im Wirbelbereich an seiner Austrittsstelle
  • ·         Faszien-Dehnung im Bereich der Gesässmuskeln mit oder ohne Ausstrahlung ins Bein und
  • ·         Muskelverkrampfung im Bereich der Quermuskulatur des Beckens.

Sie sehen, die Lösungen, und damit auch die Therapien, müssten völlig unterschiedlich sein.

Bei der folgenden Besprechung wollen wir es so halten, wie es in jeder Praxis gemacht werden sollte. Die am häufigsten vorkommende Form, also die wahrscheinlichste, muss als erstes abgeklärt und behandelt werden. Die Diagnose ist einfach, das Krankheitsbild ist so klar, dass eine weitere Diagnostik (Röntgen, MRT) wirklich keine neuen Erkenntnisse bringt und damit unnütz ist. Wenn Sie also an einen Arzt geraten, der - bevor er Sie überhaupt untersucht und gesprochen hat - eine Röntgenaufnahme oder sonstige Massnahmen anordnet, dann sollten Sie sich überlegen, wie weit Sie diesem Arzt vertrauen können.

1. Schmerzen im oberen und mittleren Po Bereich

Diese Schmerzen kommen von einer Faszien-Dehnung im Bereich der Gesässmuskeln und strahlen häufig ins Bein aus.

Der Hauptpunkt der Schmerzen kann an unterschiedlichen Stellen sein, liegt aber meist entlang des hinteren, oberen Randes der Beckenschaufel. Diese Stelle liegt ziemlich weit oben, ungefähr 2-3 Finger breit unterhalb des Nabels, aber eben auf der Rückseite. Ungefähr da, wo der Oberrand der hinteren Gesässtasche ist, äussern sich die Schmerzen am häufigsten. Die übliche Erklärung geht davon aus, ein Nerv würde hier komprimiert. Die Amerikaner haben auch gleich den richtigen Schuldigen dafür gefunden, “Wallet Sciatica“ (Portemonnaie-Ischias) nennen Sie dieses Phänomen. Je dicker die Brieftasche, die dorthin drückt, umso grösser der Schmerz. Die scherzhafte Bemerkung, man müsse nur oft genug den Therapeuten aufsuchen, dann würde die Börse schon schmaler, beweist, dass man um die schnelle Lösung nicht weiss und darauf vertraut, dass sich das Problem von selbst löst.

Es ist selten das Iliosakralgelenk (ISG)

Von der Aussenseite des Pos, von der Rückseite des vorderen Darmbeindorns zieht sich ein Bogen bis unmittelbar zum Iliosakralgelenk (ISG). Das ist der obere Rand der Beckenschaufel. Auf dieser Strecke kann sich überall ein Schmerzzentrum befinden. Wenn der Hauptschmerz in der Gegend des ISG gespürt wird (Achtung, Projektion des Gehirns), scheint die Diagnose "Entzündung oder Fehlstellung" einleuchtend. Doch solche Schmerzen sehen ganz anders aus. Gelenksfehlstellungen sind übrigens für einen Kundigen einfach festzustellen, auch ohne Röntgenaufnahmen. Eine muskuläre Fehlstellung des Beckens ist gut von außen zu erkennen. Auch hier ist es nicht das Gelenk, das Probleme macht, sondern es sind die umliegenden Bänder (Bindegewebe). Doch dieser Fall dürfte äusserst selten auftreten, wenn überhaupt. Weitere Einzelheiten finden Sie unter “Iliosakralgelenk“

Häufig ein Ruheschmerz

Die hier besprochenen Schmerzen im mittleren und oberen Po-Bereich können stumpf bis stechend sein, und sie verstärken sich immer dann, wenn für längere Zeit das Bein ohne Bewegung angezogen war, zum Beispiel beim Autofahren, längeren Sitzen oder auch beim Schlafen in Embryonalstellung. Beim Laufen und bei Bewegung vermindern sich die Beschwerden oder sind gar nicht mehr vorhanden. Warum das so ist, wird klar, wenn man weiss, wie der Schmerz zustande kommt.

Die eigentlichen Übeltäter

Mehrere Jahrzehnte hat es gedauert, bis klar war, wer bei Ihrem Körper das dauernde Wechselspiel zwischen vorderer Beuge- (Bauch) und hinterer Streckmuskulatur (Rücken) gewonnen hat. Die eindeutigen Sieger waren die kleinen, feinen, schnell beweglichen Muskelgruppen an der Vorderwand. Seitdem ist die Balance massiv gestört. Die vordere Partie, hier die inneren Lenden- und Beckenschaufel-Muskeln (zusammen bilden sie den m. iliopsoas) sind massiv verspannt und verkürzt. Die Gegenspieler auf der Rückseite, die grossen und kleinen Gesässmuskeln (mm. glutei) sind auseinandergezogen und geplättet. Dieses dauernde Zerren haben sie nicht nur ermattet, sie tun auch jetzt richtig weh. Die einzelnen Muskelfibrillen sind verspannt und verlängert, und trotzdem müssen sie weiter verhindern, dass der Mensch in der Hüfte einfach nach vorne zusammenklappt.

Die vordere Muskulatur

Doch die starken Muskeln der Vorderseite stemmen sich dagegen. Die Therapieanweisung ist also völlig klar. Der Lenden-Beckenschaufel-Muskel (m. iliopsoas) muss gebeten werden, sich wieder zu verlängern und zu entspannen. Das ist eigentlich alles. Doch ganz so einfach ist es nicht, zumal alle üblicherweise vorgeschlagenen Dehnübungen für den Psoas ziemlich unwirksam sind. Die Entspannung geht am besten mit einer Kombination zweier Techniken, der Druckpunkttherapie und der plastischen Faszien-Dehnung.

Die Schmerzproduzenten lahmlegen

Muskelfasern kann man sich wie lange Bindfäden vorstellen (halb so dick wie ein Haar). Sie haben an ihren Enden, da wo sie in den Knochen hinein gehen, Messfühler (Rezeptoren), die die akute, momentane Belastung der Muskelfasern anzeigt. Ein bisschen verzerrt, aber dafür anschaulicher, können Sie sich so eine Muskelfibrille als lange dünne Schlange vorstellen, bei welcher der kleine Kopf der Rezeptor ist. Bei zu grosser Spannung wird ein Schmerzsignal vom Gehirn ziemlich unbestimmt in den Faserbereich projiziert. Die Nachricht ist klar: “ bitte nicht weiter dehnen“.

Einfach einen Knoten machen

Dauert die Spannung länger an, so versucht der Körper einfach, einen Knoten in den langen Faden zu machen. Je nachdem, wie und wo man diese Knoten tastet, bezeichnet man sie als Myogelosen oder auch Triggerpunkte. Da sie immer schmerzen, hat man seit alters her versucht, sie mit allen möglichen Techniken zu beseitigen. Wenn das gelingt, kann es nicht lange gut gehen, da nach diesem “Heilungsversuch“ der Körper sofort wieder einen neuen Knoten konstruieren muss (um die Faser wieder zu verkürzen). Auch wir verwenden eine bestimmte Druckpunkttechnik, um die Schmerzen loszuwerden. Aber Erfolg hat das nur, wenn die Vorderseite des Körpers mit behandelt wird.

Die unerklärlichen Schmerzen an Beinen und Füssen auflösen

Von der klassischen Medizin völlig unverstanden sind alle jene Schmerzen, die an den Beinen auftreten. Das kann an der Seite des Oberschenkels oder auch an dessen Hinterwand sein. Eine bevorzugte Region mit Taubheitsgefühl ist die äussere Seite des Unterschenkels. Aber auch die Füsse bis runter zur Fusssohle können betroffen sein. Die Palette reicht von einem stumpfen Druck, einem ziehenden Schmerz, einem unangenehmen Taubheitsgefühl bis zu einem peinigenden Kribbeln. Manchmal kommt es auch zu Lähmungserscheinungen. Dadurch ist der Betroffene beim Stehen und Laufen deutlich behindert.  Die Erklärungsnot ist gross, da selten eine passende Nervenbahn zu finden ist, die dieses Phänomen beschreiben könnte.

Die Faszien als Nachrichtensystem

Nicht selten treten dazu heftige Hüft- und/oder Leistenschmerzen auf, die allerdings eine andere Ursache haben (dazu später). Ein schwacher Trost, dass die Ischialgie meist nur (vorerst) einseitig ist.

Es sind wieder einmal die Faszien, die für diese “unerklärlichen“ Phänomene verantwortlich sind. Sie bilden die Hüllen der Myofibrillen und haben ein eigenes Informations- und Nachrichtensystem, was vielseitiger, schneller und effizienter ist als die einfachen, klaren, langsamen Signale, die über Nerven laufen. Bei der Bearbeitung der speziellen Druckpunkte können Sie ganz gut selbst verfolgen, in welchen Bereich des Beines die entsprechenden Muskelfasern reichen. Wenn man alle Fasern erwischt und entspannt hat, sind die Phänomene aufgehoben (was natürlich nicht immer auf einmal gelingt).

2. Schmerzen um die Hüfte herum

Von der Hüfte ausgehende Schmerzen sind ganz anders. Sie treten im Bereich des Hüftgelenks auf, undifferenziert, auch an der Aussenseite, und viele Patienten haben den Eindruck, der Schmerz käme aus dem Gelenk. Häufig sind die Schmerzen auf bestimmte Punkte beschränkt und genau lokalisierbar.

Auch hier treten Schmerzen manchmal schon nachts  auf und sind morgens am stärksten, denn dann ist die Hüfte noch ziemlich steif. Mit zunehmender Bewegung und Wärmeanwendung können sie dann weniger werden. Bei Belastung (Bergaufgehen) verstärken sich die Beschwerden, Treppensteigen kann unangenehm werden. Es kann auch vorkommen, dass plötzlich das Bein einknickt.

Nur eine Schwäche der Quermuskeln

Hier sind die Quermuskeln (Hüftmuskeln), meist auf einer Seite, komplett überdehnt und verspannt. Diese Quermuskeln haben sich erst mit dem aufrechten Gang entwickelt. Sie stellen eine Art Querachse dar, bei der - wie bei einem modernen Auto die Einzelradaufhängung - die Muskeln jeder Seite bis zur Mitte des Beckens reichen. Deren Aufgabe ist es, beim Stehen oder Gehen zu verhindern, dass die gegenüberliegende Hüfte absinkt. Die Gründe für die Schwäche dieser Muskeln liegen oft weit in der Vergangenheit. Eingesunkene Fussknöchel, ungleiche Belastung, Beinlängendifferenz und mangelndes Training kommen infrage. Nicht zu verwechseln ist diese Quermuskulatur mit der Beckenbodenmuskulatur. Diese Muskeln liegen weiter unten und spielen bekanntlich eine Rolle während und nach einer Schwangerschaft, und bei beiden Geschlechtern sind sie wichtig beim Inkontinenzmanagement.

Die Abduktoren (Muskeln, die das Bein abspreizen)

Diese Quermuskeln (Hüftmuskeln) fungieren als Abduktoren und Aussenrotatoren, d.h. sie führen das Bein zur Seite und drehen den Oberschenkel nach aussen (Füsse auch). Andere Auswärtsdreher sind der grosse Po-Muskel und der tiefe Lendenmuskel. Die kleinen, tiefen Po-Muskeln als Gegenspieler, die den Oberschenkel nach innen drehen, müssen natürlich mit behandelt werden.

Jetzt kommt der Piriformis ins Spiel

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein Patient ziemlich genau den Verlauf eines verspannten Muskels in die Tiefe des Beckens angeben kann. Vom grossen Hüftknochen gehen die einzelnen Muskeln fächerförmig eben genau dahin und sind deswegen gut gegeneinander abgrenzbar. Der Muskel, der am häufigsten Probleme macht, ist der Piriformis. Unter diesem Muskel (manchmal auch mitten hindurch) schiebt sich der Doppelnerv (Ischias), ziemlich gut geschützt von seiner bindegewebigen Hülle. Nur selten dürften die in sich beweglichen, gut gleitenden, gegeneinander verschiebbaren Nervenkabel so stark eingeengt werden, dass daraus dauerhafte Schmerzen entstehen.

Fast alle Muskeln sind beteiligt

Es sind einmal wieder die Faszien einer gestressten Muskulatur, die verhärtet sind und die sich nicht selbst wieder befreien können. Mit der isolierten Entspannung jedes einzelnen Muskels durch die Druckpunktmethode kann man genau herausfinden, welcher dieser Muskeln beteiligt ist und wie stark er angespannt ist. Es ist also nicht nur der Piriformis. Aber der hat nun mal in einer Art Sippenhaft seinen Namen dafür hergegeben. Nachdem mit den entsprechenden Dehnübungen die Schmerzen gebannt sind, haben wir danach noch die Aufgabe, den überaus schwächlichen, kaum gebrauchten Muskel wieder aufzubauen und zu stärken. Nach diesem „Becken Bodybuilding“ ist die Hüfte dann insgesamt stabiler und nicht mehr so anfällig gegenüber Dysbalancen.

3. Der seltene Fall, ein eingeklemmter Nerv

Es gibt nur eine Engstelle

Die Wirbelsäule ist viel zu lang für das Rückenmark. Das reicht nur bis zum untersten Brustwirbel (BW12). Im Bereich der Lendenwirbel (also darunter) floaten die locker nebeneinander liegenden Nerven wie in einem Pferdeschweif (cauda equina). Dieser ganze Bereich wird von Flüssigkeit und drei bindegewebigen Säcken ziemlich perfekt geschützt (“Rückenmarkspunktionen“ werden in diesem Bereich gemacht). Die einzelnen Nerven können sich frei bewegen und sind ausser Gefahr. Danach muss jeder Nerv schräg nach hinten durch die Knochen, um aus dem Kanal zu schlüpfen. Im weiteren Verlauf vermischen sich die Nerven wieder und bilden ein Nervengeflecht (Plexus) im ganzen Becken. Der Ischias Nerv lässt die anderen links liegen und macht sich auf den Weg nach unten in Richtung Fuss.

Verantwortlich sind verspannte Sehnen und Muskeln

Die landläufige Vorstellung ist immer noch, Ischias-Beschwerden würden von einem eingeklemmt Nerv herrühren. Die einzige Stelle, wo er unter Druck geraten könnte, ist ein kurzer knöcherne Kanal zwischen den Wirbeln L4 und S1. Hier ist die Wirbelsäule besonders stark nach vorne gebogen. Dadurch kann sich der Druck auf den hinteren Teil der Zwischenwirbelscheiben erhöhen. Dieser Teil kann Wasser verlieren und bröckelig werden und schliesslich können hier nach hinten Teile des gallertartigen Kerns rausquellen (Bandscheibenvorfall, Prolaps, Diskushernie). Das kann aber nur passieren, wenn dieser Teil der Wirbelsäule durch verspannte Muskeln und Sehnen über längere Zeit wie mit einem Schraubstock eingezwängt war. Die Vorstellung, der Druck der oberen Wirbelsäule würde den Lendenbereich durch das eigene Gewicht nach unten stärker belasten, muss aufgegeben werden. Wie im Tensegrity-Modell anschaulich gezeigt, ist die Wirbelsäule über die Faszien nach allen Seiten mit der Umgebung verbunden und wird somit eben auch nach oben gezogen. Bei entspannter Wirbelsäule kann die Zwischenwirbelscheibe unmöglich geschädigt werden.

Auch bei sichtbarer Enge im Wirbelkanal zuerst entspannen

Wenn der Kern aber aus der Bandscheibe nach hinten austritt, so trifft er auf eine straffe, bindegewebige Platte, die einen Eintritt in den Wirbelkanal verwehrt. Von hier also kann die Irritation eines Nervs gar nicht kommen, wenn einen auch die ausgelaufene Masse im Röntgenbild einen gehörigen Schrecken versetzen kann. Hier wäre eine beruhigende Aufklärung von Seiten der Ärzte angebracht. Sie könnten zum Beispiel darauf hinweisen, dass solche Bandscheibenvorfälle sehr häufig auch an anderer Stelle zu sehen sind, an denen nie irgendwelche Schmerzen auftraten (das ist bei jeder vierten Person der Fall), vielleicht sogar auch bei Ihrem eigenen CT oder Röntgenbild. Leider geschieht oftmals das Gegenteil, Sie werden verunsichert und beunruhigt.

Bei Lähmungserscheinungen ist eine Operation sinnvoll

Im Bereich der seitlichen Nervenwurzel kann sehr wohl ein Prolaps Druck ausüben. Schmerzen und Ausfallserscheinungen sind hier möglich. Aber selbst diese Situation stellt nur in besonders schweren Fällen eine absolute Indikation für einen Eingriff dar, wie zum Beispiel bei einer Beinlähmung. Eine Operation kann sofort Erleichterung verschaffen, geht aber mit Narben und anderen Risiken einher. Wer abwartet, hat berechtigte Chancen auf eine spontane Heilung und wird nicht das Krankheitsbild „Failed Surgery Syndrom“ (Rückenschmerzen nach Operation) erleben.

Ein starker Schmerz, der sich nicht verändert.

Bei einem Prolaps mit Druck auf die Nervenwurzel ist die Qualität des Schmerzes deutlich heftiger. Er strahlt in die Beine aus und man kann sich gut am Verlauf der Nerven orientieren. Hier treten Schmerzen, Taubheitsgefühl und manchmal Lähmungserscheinungen auf. Manche Experten sind der Meinung, dass die Reaktion nicht vom Druck auf den Nerv stammt, sondern eher von einer Immunreaktion (Entzündung) hervorrufen wird.

Der Ischias, ein lebenslanger Begleiter?

Wenn Sie so zurückdenken, haben Sie nicht vor einiger Zeit schon mal diese Ischias-Beschwerden gehabt? Ist diesmal wirklich das erste Mal? Oder kommt dieses Ereignis immer wieder vor? Als Sie das erste Mal diese Schmerzen hatten, haben Sie das sicher für normal gehalten, weil so ziemlich alle in Ihrer Umgebung auch ähnliche Beschwerden mal hatten. So ähnlich wie ein Schnupfen, der auch regelmässig wiederkehrt. Hier ist es aber etwas anderes. Sie haben die Schwelle erreicht, an dem die wechselseitige Verspannung der vorderen Bauch- und hinteren Rückenmuskulatur aus der Balance zu geraten droht. Die gute Nachricht: Noch kann man in dieser Frühphase durch allgemeine Entspannung bald wieder in den Normalzustand zurückkommen.

Oberstes Prinzip – Muskeln entspannen

Was bei Ihnen passiert, lässt sich mit einem leicht verstopften Abfluss einer Dachrinne vergleichen. Nur wenn es besonders stark regnet (besonders starker körperlicher oder psychischer Stress), kommt es zu einem Überlaufen (Schmerz). Nach dem Gewitter ist wieder Ruhe. Aber es wird sich mit der Zeit immer mehr Laub ablagern (Spannung zunehmen), und dadurch kommt es vermehrt zum Überlaufen. Obwohl Sie wahrscheinlich schon beim ersten Mal eine Röntgenaufnahme oder Ähnliches haben machen lassen, wird auch nach mehreren weiteren Anfällen noch keine Veränderung am Knochen sichtbar sein. Das kommt erst sehr viel später. Nach mehreren Jahren immer wiederkehrender Attacken mag sich zur Erleichterung der Ärzte (endlich eine Erklärung für die Schmerzen) tatsächlich im Röntgenbild eine Auffälligkeit ergeben haben. Denn die Einengung des Ischias-Nervs durch Knochen ist, wenn überhaupt, die allerletzte Phase einer lange bestehenden, übermässigen Kompressionsbelastung der Wirbelsäule. Die muss so lange dauern und so intensiv sein, bis schliesslich Knochenteile dem Druck nicht mehr standhalten können und zusammenbrechen. Soweit muss es wirklich nicht kommen.

Faszien bestimmen die Stellung der Knochen

Von der Vorstellung, dass unser Knochengerüst verantwortlich ist für Stabilität, müssen wir uns langsam verabschieden. Die eigentliche Last mit einer geschickten Verteilung der Kräfte geschieht über das elastischere Bindegewebe. Das ist zudem noch in der Lage, wie eine Feder Energie aufzunehmen und wieder abzugeben. Wir wissen heute auch, dass nur durch die Spannung der Faszien unsere Knochen gerichtet und bewegt werden können. Die Knochen richten sich nach den Spannungslinien. Nur durch eine übermässige Verspannung dieser Systeme kommt es zu einer Fehlausrichtung der Gelenke und zu einer daraus resultierenden Fehlhaltung und schlussendlich zu Schmerzen.

Die eigentlichen Täter sind unauffällig

Der Ischias-Schmerz hat mit einem Knochenengpass so gut wie nie etwas zu tun, wohl aber zeigt möglicherweise eine Gelenkfehlstellung im Bereich der Lendenwirbel, des Kreuzbeines und der Beckenschaufeln die übermässige Spannung an. Auch hier wieder sind verspannte und verkürzte Faszien entlang der Muskeln die Ursache. Ganz typisch hierfür sind die Schmerzen (oft beiderseits) im unteren Lendenwirbelbereich. Von hier aus können wir die Schmerzen weiterverfolgen den Rücken hinauf bis in den Schulterbereich. Jetzt befinden wir uns im nächsten Abschnitt einer verspannten, überlasteten und gedehnten Leitungsbahn. Auch hier wieder sind die “Täter“ die eher kleinen und zarten Muskeln der Vorderseite. Auch hier gilt das gleiche Gesetz: erst vorne, dann hinten behandeln.

 [Ilio-Sacral-Gelenk]

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