Interview


SERGE ROSSINSKI, TEXTER

 


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Fragen und Antworten zur Alternativen Schmerz-Therapie

 


Im Gespräch mit Dr. Jörg Stuckensen


Dr. Jörg Stuckensen entwickelte nach jahrzehntelanger, schulmedizinischer Praxis eine Alternative Schmerztherapie in Form einer Dehnungs-Therapie. Der Arzt behandelt damit jede Art von chronischen Schmerzen. Dazu zählen Arthrose, Augenschmerzen, Bandscheibenvorfall, Fibromyalgie, Golf- und Tennisellenbogen, Handgelenkbeschwerden, Hexenschuss, Migräne, Rheuma, Rückenschmerzen, Sehnenscheidenentzündung und viele andere Schmerzformen. Im Gespräch beantwortet er Fragen zu den Voraussetzungen und Gründen seines Erfolgs.


Herr Dr. Stuckensen, können Sie einen typischen Fall aus Ihrer Praxis schildern, zum Beispiel mit Rückenschmerzen?


Heute Morgen war eine 83-jährige Dame bei mir, selbstbewusst, aber etwas deprimiert, da sie nach einem Bagatellunfall seit über einem halben Jahr Schmerzen auf der ganzen rechten Seite hat. Ausgehend vom Rücken strahlen sie ins rechte Bein und in den rechten Arm. Sie kam nach vorn gebeugt mit einer Krücke. Nach einer halbstündigen Behandlung konnte sie wieder aufrecht stehen, hatte nur noch mit leichte Schmerzen und war in der Lage, ohne Krücke zu gehen. Und sie konnte wieder lächeln. Sie hatte wieder Zutrauen. Nach drei, vier Behandlungen wird sie kraftvoll, beweglich und vollkommen schmerzfrei sein.


In Ihrer Annonce kündigen Sie für jede Schmerztherapie eine Erfolgsrate von 90% an. Ist das nicht übertrieben, sogar marktschreierisch?


Durchaus nicht, auch wenn es so klingt. Eine Heilungsrate von 90% – und dann noch bei allen nur denkbaren Leiden – gibt es nicht. Ich masse mir auch nicht an, eine Krankheit zu heilen, sondern lasse lediglich ein völlig überflüssiges Symptom verschwinden, den Schmerz. Meine Erkenntnis: Nur wenige Menschen mit chronischen Schmerzen haben Veränderungen an ihren Gelenken, die nicht von einer bindegewebsartigen Verspannung kommen. Löst man diese Verspannung, sind die Gelenke wieder völlig normal, beweglich und schmerzfrei. Es wird also keine Krankheit behandelt oder gar geheilt, es wird lediglich ein Syptom beseitigt. Und das geht in 90 %.


Heisst das, die von Ihren Kollegen mit aufwändigen Untersuchungsmethoden gestellten Diagnosen sind falsch?

 

Aus deren Sicht nicht. Sie sehen Veränderungen, die behandlungsbedürftig erscheinen und handeln verantwortungsbewusst nach Lehre und Wissen. Dass zum Beispiel Fehlstellungen, eingesunkene Bandscheiben, verengte Nervenkanäle völlig verschwinden und nach der Bindegewebsdehnung alle Organe wieder normal ohne jegliche Schäden sind, das haben sie bisher noch nicht gesehen. Entsprechen sind ihre Therapieempfehlungen.


Oft ist das letzte Mittel bei eindeutig sichtbaren Schäden eine Operation. Sie sagen, dass auch Operationen vermeidbar sein können. Wirklich?

Selbstverständlich nicht alle. Aber sehr viele Operationen lassen sich vermeiden. Meine tägliche Erfahrung zeigt: Sind Druck und Spannung aus Gelenken, Sehnen und Muskeln genommen, formt der Körper von selbst wieder die für ihn normalen Verhältnisse. Die Anatomie stimmt wieder. Eine Operation wird somit überflüssig.

Das heisst: Haben wir im Bindegewebe keine Verspannung, haben wir auch keine Schmerzen?

 

Ja, das ist richtig. Ohne Verspannung gäbe es fast keine chronischen Schmerzen mehr.

 

Woher kommen denn die Verspannungen und Verhärtungen im Bindegewebe? Und wie können wir sie verhindern?

 

Die Antwort ist von Bedeutung, individuell als auch gesellschaftlich. Im Grunde ist die Sache einfach: Die körperliche Verspannung kommt entweder direkt aus der Muskulatur, und zwar immer dann, wenn die Muskeln zu viel oder zu wenig genutzt werden. Oder die Verspannung stammt aus Aktivierungsbefehlen älterer Gehirnteile, die Muskeln anzuspannen. Das geschieht automatisch in jeder Stresssituation. Da heute weder Flucht noch Kampf eine Rolle spielen, verhärtet sich die Muskulatur mit der Zeit. Meist sind beide Faktoren beteiligt. Damit liegt die Lösung des Problems auf der Hand: Erstens brauchen wir Übungen zur Dehnung und Entspannung der verhärteten Sehnen, Bänder und Muskeln. Und zweitens Übungen zur Stressbewältigung und zum Stressabbau.

 

 

Inwieweit ähnelt Ihre Schmerztherapie der klassischen Physiotherapie oder Methoden aus der Traditionellen Chinesischen Medizin?

 

Sie hat mit beiden keine Ähnlichkeit. Die Physiotherapie legt ihren Schwerpunkt auf die Behandlung von Muskeln und Gelenken. Muskeln werden beweglicher und geschmeidiger gemacht, Muskelknoten beseitigt, Gelenke werden aus einer Fehlposition befreit. TCM korrigiert Energieflüsse und optimiert Energiebahnen. Im Einzelfall sind mit beiden Methoden beachtliche Erfolge möglich. Sie halten aber in den meisten Fällen nicht lange an. Mit meiner Methode, die das Bindegewebe verändert und die Sehnen verlängert, ist ein Erfolg mit 90% vorauszusagen – und die Erwartung ist ein dauerhaftes Ergebnis.

 

 

Können Sie beschreiben, wie Sie jemanden in einer Stunde von Schmerzen befreien?

 

Gerne verrate ich Ihnen das Geheimnis, das in den verschiedensten Kulturen nur Eingeweihten zugängig war. Wenn man in einem bestimmten Winkel den Endteil einer Sehne kräftig drückt, dann verlängert sich diese Sehne in weniger als zwei Minuten. Der Effekt ist sofortige Schmerzlinderung, erhöhte Beweglichkeit und vermehrt Kraft im Muskel.

 

 

Das ist doch sicher schmerzhaft?

 

Ja, immerhin handelt es sich um eine Kraft, die an manchen Stellen bis zu 15 Kg/cm2 ausmacht. Entsprechend häufig sind blaue Flecken zu erwarten, immerhin bei jedem dritten Patienten. Der Druck auf die Sehne schmerzt, und zwar so lange, wie das Bindegewebe verspannt ist. In dem Masse, wie das Bindegewebe gelockert wird, verflüchtigt sich der Schmerz. Das ist dann erlösend und angenehm.

 

Das hält nicht jeder so ohne weiteres aus. Haben sie ein Rezept, wie der Schmerz erträglicher wird?

 

Ich habe dazu zwei Möglichkeiten entwickelt. Die meisten Patienten entscheiden sich für die Erste. Hier lernt der Patient durch Visualisieren und Atemtechnik, sich auf den Schmerzpunkt zu konzentrieren. Dadurch wird der Schmerz viel weniger bewusst und verschwindet schneller. Bei der zweiten Methode wird der Patient in einen hypnotischen Trancezustand versetzt, der ihm erlaubt, alles zu verfolgen, aber trotzdem entspannt dazuliegen und den ausgeübten Druck nicht mehr als Schmerz wahrzunehmen.

 

 

Sie machen eine Hypnose?

 

Ja, eine Hypnose in mittlerer Tiefe. Daher haben die meisten Patienten nachher den Eindruck, gar nicht hypnotisiert worden zu sein.

 

Woran liegt das?

 

Das kritische Wachbewusstsein ist ausgeschaltet und nur der Druck auf den Schmerzpunkt wird als angenehm suggeriert. Alle anderen Dinge werden normal wahrgenommen.

 

Sie betonen, dass der Patient einen wesentlichen Beitrag zu seiner Heilung beitragen muss. Dass Ihre Methode sogar wirkungslos ist ohne seine Mitarbeit.

 

Das ist so. Deswegen lege ich auf die Aufklärung und das Verstehen der Zusammenhänge so grossen Wert. Nach der Phase der Druckbehandlung trainieren wir spezifische Übungen, die unbedingt die nächsten Tage gemacht werden müssen. Wenn nicht, ziehen sich die Sehnen in 2-5 Tagen wieder zusammen. Wir stehen dann in derselben Situation wie vor der Behandlung. Es gehört auch einiges dazu, die ersten zwei Tage ohne Murren zu überstehen. Blaue Flecken, empfindliche Druckstellen und unter Umständen zunehmende, Muskelkater-ähnliche Schmerzen in Muskeln und Gelenken können den Optimismus dämpfen. Deswegen ist es wichtig zu verstehen, dass in dieser Phase das alte, verhärtete, minder durchblutete Bindegewebe ausgetauscht wird in neue, jugendliche, elastische Sehnen und Bänder.

 

 

Wie lange muss die Therapie in dieser Weise weitergeführt werden?

 

Je nach Anteil der beteiligten Muskelgruppen ist das unterschiedlich. Müssen viele Muskeln gelöst werden, dauert es länger. Die Schwere der Schmerzen oder der Grad der Bewegungseinschränkung spielt fast keine Rolle. Trotzdem geht alles fantastisch schnell. Mir ist keine Therapie bekannt, die in ähnlich kurzer Zeit solche Erfolge erzielt. Eine echte Kurzzeittherapie und damit konkurrenzlos günstig. Manchmal reicht eine Behandlung. Der Durchschnitt liegt bei drei bis fünf Sitzungen. Mehr als zehn Behandlungen sind so gut wie nie nötig. Meistens liegt zwischen den Behandlungen eine Pause von einer Woche. Wieder spielt der Patient eine entscheidende Rolle. Von Sitzung zu Sitzung werden mehr Muskeln entspannt und von Mal zu Mal erhält der Patient mehr Übungen als Hausaufgaben.

 

 

Wie viel Zeit braucht man täglich für diese Übungen?

 

Jede Übung sollte zweimal täglich gemacht werden. Eine Übung, eigentlich sind es eher Dehnungsstellungen, dauert 2-3 Minuten. Das heisst, in der ersten Woche brauchen wir morgens und abends 5 Minuten, ab der 3. Woche 15 Minuten. Der Patient lernt auch langsam, diese Dehnstellungen ganz natürlich in den normalen Tagesablauf einzufügen.

 

 

Sind dann nach ein paar Wochen alle nach dieser Methode Behandelten von ihren Schmerzen befreit?

 

Die Methode ist sehr wirkungsvoll, sie setzt aber voraus, dass die zur Verspannung führenden Reize abgestellt werden. Die rein körperlich bedingten Verspannungen sind einfach zu behandeln. Spielen seelische Komponenten eine Rolle, müssen diese Blockaden zusätzlich gelöst werden. Andernfalls verhärtet sich das Bindegewebe schon nach ein paar Stunden wieder. Zum Entfernen der Blockaden gibt es je nach Vorliebe und Typ des Patienten unterschiedliche Lösungen. Am einfachsten geschieht dies durch Löschen der im Unterbewusstsein verankerten unsinnigen Befehle. Das geschieht in Hypnose. Allerdings sind dafür einige Stunden notwendig. Eine Therapie, die von beiden Seiten ansetzt, der körperlichen und der psychischen, bringt die überzeugendsten Resultate.

 

 

Wie gestalten sich die Kosten für Ihre Behandlung?

 

Erst nach dem ersten Gespräch und einer eingehenden Prüfung sind die Kosten für die Therapie abschätzbar. Die Behandlung ist wirklich preiswert. Im Durchschnitt muss man mit 800 bis 1000 Franken für vier bis fünf Behandlungen rechnen. Die Krankenkassen übernehmen die Therapie zur Zeit noch nicht, obwohl sie bereits mittelfristig Kosten sparen würden. Die Patienten, die nur ein bis zwei Sitzungen benötigen, sind übrigens wesentlich zahlreicher als die, die häufiger in die Behandlung kommen.

 

Eine letzte Frage: Sie sagten einmal, jeder, der zu Ihnen komme, könne sich später selbst helfen, wenn wieder dieselben Schmerzen auftauchen sollten. Was heisst das?

 

Jeder hat seine Schwachstellen, die sich in psychosomatischen Erkrankungen äussern können. Schmerzen zeigen die Schwachstellen im Bindegewebssystem an. Sie treten ganz individuell auf, im Fuss, im Knie, in der Hüfte, im Nacken oder im Kopf. Und wenn irgendetwas schief läuft, werden sich diese Stellen als erstes wieder melden. Deshalb ist es wertvoll, sie genau zu kennen und sie hie und da zu visualisieren. Wer weiss, wie er seine Schmerzstellen sofort in den Griff bekommt, gewinnt an Lebensqualität. Ein oder zwei Druckpunkte und entsprechende Notdehnübungen sind das, was jeder mit nimmt, um sich in jeder Situation aus seinem akuten Schmerz zu befreien.

Gespräch: Serge Rossinski (3.11.2010)