Hexenschuss - gab es damals, als es noch Hexen gab

ist es wirklich der Ischiasnerv oder die Bandscheibe?

Sie gehen abends völlig normal und beweglich zu Bett und wachen morgens mit einem Hexenschuss auf. Sie können sich nicht mehr gerade aufrichten, die Hosen anzuziehen, ist eine Qual. Vielleicht  zieht der Schmerz sogar in die Hüfte und das ganze Bein entlang. Der Ischiasnerv ist eingeklemmt. Wieso konnte das passieren?

Unser Körper kann Fehlbelastungen in einer gewissen Bandbreite ausgleichen, ohne dass wir davon etwas merken. Wird die Grenze überschritten, wird sofort der Schutzschmerz eingeschaltet, hier in Form eines Hexenschusses. Wir gehen eigentlich noch beweglich, aber - was wir noch nicht merken - doch schon bis zur Grenze verspannt ins Bett. Die bindegewebigen Teile der vorderen Muskulatur sind inzwischen ziemlich verkürzt, meist durch stundenlanges Sitzen. Es könnte sein, dass eine weitere Aufregung mit Verspannung dazukommt, zum Beispiel durch einen stressigen Traum. HexenschussHexenschussDiejenigen, deren Lieblingsstellung im Bett die zusammengekauerte Embryonalstellung (wieder die Sitzposition) ist, sind besonders gefährdet. Wir fühlen uns in dieser Lage sehr entspannt und angenehm. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Wir haben eine Schonhaltung eingenommen und merken nicht, dass wir in der Falle sitzen. Die eigentlich notwendige Streckung meiden wir, weil sie unangenehm ist. Bei plötzlicher Belastung, beim Aufstehen am Morgen schiesst dann der Schmerz noch während des Aufrichtens in den Rücken: der Hexenschuss.

Aber natürlich hat dieses Ereignis eine Vorgeschichte. Wir kennen das schon. Wir haben uns, mehr oder weniger Gott ergeben, damit abgefunden, dass diese Situation jederzeit wieder auftreten kann. Solange nicht grundsätzlich an der permanenten Verspannung der Muskulatur etwas ändert, werden wir aus dieser Falle nicht herauskommen.

Im akuten Anfall, eben dem Hexenschuss, ist es kein Problem, dem Betroffenen sofort zu helfen. Die myofasziale Dehnung entlastet den bindegewebigen Anteil der Muskulatur und der Schmerz ist gleich bei der ersten Behandlung deutlich reduziert. Danach sollten wir uns um die falsch eingestellten Muskelprogramme kümmern. Mit Dehnungsübungen können die einzelnen Faserpakete der starken Rückenmuskulatur wieder so geschmeidig gemacht werden, dass ein erneuter Anfall so gut wie ausgeschlossen ist.

Wenn wir allerdings wissen, dass wir permanent auf dem schmalen Grat zum Hexenschuss balancieren, können wir die beschwerdefreie Zeit dazu nutzen, das Problem sanft aus der Welt zu schaffen. Die Therapie besteht wieder in der Entspannung der eingemauerten Faszien, Sehnen und Gelenkkapseln, und wie immer, auch in der Befreiung der Gegenseite durch den reflexauslösenden Druck auf die Sehne. Die anschliessend hoffentlich zur Gewohnheit werdenden Engpassdehnungen werden die Hexe mit ihrem Schuss auf ewig verdammen.

(Siehe auch Beitrag Ischialgie, Ischias - ein eingeklemmter Nerv)

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