Jörg Stuckensen, Schmerztherapeut

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  • Studium der Medizin und Psychologie in Erlangen und Wien
  • Facharztausbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Krebstherapie und Anästhesieausbildung an der Universität Erlangen. Stabsarzt der Deutschen Luftwaffe
  • Oberarzt in Rüsselsheim
  • Niedergelassener Frauenarzt, Belegarzt in Würzburg, Schwerpunkt Operationen und Geburten
  • Forschungsarbeiten in Groningen (NL) und Cambridge (GB) im Bereich In Vitro Fertilisation, Hormone, Assistierte Reproduktion, Andrologie und Zellbiologie. Leitung einer Tagesklinik für Fortpflanzungsmedizin, Ambulanten Operationen und Mikroinvasiver Chirurgie.
  • Ein Hobby: Vergleiche der Medizinsysteme unterschiedlicher Kulturen (Schamanen, Naturvölker, Arabische, Persische und Fernöstliche Medizin)

    Eröffnung einer Privatpraxis für Schmerztherapie in Zürich

Warum der Wechsel zum Schmerztherapeuten?

Am Anfang dieses Themenwechsels in der Medizin standen Erstaunen, weil ich sehr wirksame medizinische Techniken aus anderen Kulturen in unserer modernen Medizin vermisst habe. Das Erstaunen wandelte sich in Empörung und schliesslich in ein wenig Wut. Der Auslöser war der Besuch in einem Altersheim und mein Erschrecken über die Vielzahl der unbeweglichen und mit Schmerz geplagten Insassen. Für mich war klar, unsere, die nächste Generation, sollte nicht dasselbe schmerzliche Schicksal im höheren Alter erwarten müssen.

Dass alle Menschen mit zunehmendem Alter immer mehr in sich zusammen fallen, ist das in einem Programm der Natur festgelegt? Dass sie immer mehr Schmerzen an fast allen Gelenken bekommen und sich immer weniger bewegen können, ist das ein unausweichliches Schicksal? Hat das irgend etwas mit Zivilisation zu tun, da bei Naturvölkern diese Tendenz weitaus weniger zu beobachten ist? Wieso kennen wir die Gründe nicht für den kontinuierlichen Verfall? Was ist das Geheimnis der Beweglichkeit und der Anmut von all den vielen, alten Menschen in den Nordprovinzen Chinas, die jeden Morgen ihre langsamen „Schattenübungen“ machen?

Die Lösung durch Querdenken

Ich habe eine Lösung gefunden, eine moderne Lösung, die in unsere heutige Zeit passt, die Erkenntnisse aus den verschiedenen Bereichen der Physik, Philosophie, Architektur, Biologie, Informatik und natürlich auch der Medizin vereinigt (Physiologie, Anatomie und wesentlich auch der Neurowissenschaften).

Die das letzte Jahrhundert bestimmende Zielrichtung, durch Erforschung immer kleinerer Teile das grosse Ganze verstehen zu können, hat den Blick für grössere Zusammenhänge beschränkt. Sobald eine Anzahl von Zellen oder Organen sich zusammen finden, entsteht funktionell eine neue Struktur, ein neues Wesen mit neuen Gesetzen und unbekannten Fähigkeiten. Und tatsächlich, mit einer ganzheitlichen, holistischen Betrachtungsweise entkommen wir der Sackgasse. Es eröffnet sich eine neue Dimension.

Mein wirklich einfaches Modell ist in der Lage, durch eine geringe Veränderung fast alle auftretenden Schmerzprobleme zu vermindern, oder früh genug angewendet, komplett zu vermeiden. Der Vergleich mit dem Gordischen Knoten ist gar nicht so unrealistisch. Um diese neue Sicht zu verstehen verlangt es Umdenken, das Aufgeben lang gehegter Kausalzusammenhänge und implantierter Vorstellungen und es fordert als Wesentliches, die aktive Mitarbeit der Patienten (und der mit beteiligten Therapeuten).

Was ist der Clue?

Die Lösung liegt in der äusseren (und inneren) Haltung. Nur ein ausgeglichener, harmonischer Körper kann gesund und schmerzfrei sein. Wird die Balance gestört, kommt es zu Verschiebung in Gelenken. Verzweifelte Versuche von Muskeln, die für statische Aufgaben nicht vorgesehen sind, das Gleichgewicht wieder herzustellen, führen zu schmerzhaften Verspannungen. Allein kann sich der Körper aus dieser Sackgasse nicht befreien. Doch, erkennt man die einzelnen Verschiebungen, ist es in der Regel nicht schwer, die gegenseitigen Abhängigkeiten zu verstehen und eine entsprechende Strategie zur kompletten Auflösung aller Probleme zu entwickeln.

Das ist nicht nur reizvoll. Sondern, da das nach heute gängigen Therapievorstellungen auch unmöglich ist, sieht es tatsächlich wie Zauberei aus. Ein Geheimnis liegt in der Kunst des Körperlesens, einer Analyse von Haltung und Bewegung. Der Körper kann nicht lügen. Er kann sich noch nicht einmal verstellen. Zudem lassen statische Bilder (Röntgen, MRI) kaum einen Schluss zu auf dynamische Bewegungen und verleiten damit zu einer falschen Interpretation.

Für die praktische Umsetzung dieser Vorstellungen sind von den unterschiedlichsten Gruppen und Schulen verschiedene Techniken entwickelt worden. Was immer ich von anderen Fachleuten lernen konnte (und von jedem habe ich etwas gelernt), habe ich mitgenommen, ausprobiert, modifiziert und angewendet, vieles auch wieder weggelassen. Dabei war meine Jahrzehnte lange Erfahrung als Operateur hilfreich. Je nach Gewebe, Patientenbedürfnissen und gesetztem Ziel wird aus der zur Verfügung stehenden Palette immer das Beste gewählt.

Die Umprogrammierung im Gehirn halte ich für besonders wichtig. Jeden Tag, an dem ich mit Schmerz geplagten Patienten arbeite, staune ich, wie schlecht Befehle in einzelne Muskelstränge geleitet werden, wie unkoordiniert und völlig sinnlos falsche Muskeln bei einfachen Bewegungen aktiviert werden, wie hilflos sich Krämpfe entwickeln, nur deshalb, weil Programme total durcheinander gekommen sind. Die Regelkreise funktionieren nicht mehr. Die Rezeptoren sind unzuverlässig. Die Einstellung der Ist- und Sollwerte falsch. Gott sei Dank behält unser Gehirn auch im Alter noch seine neuroplastischen Fähigkeiten. Durch bestimmte Bewegungstechniken werden Neuronen zum Sprossen animiert und wieder neue Verbindungen im Zentrum und der Peripherie geschaffen.