Arthrose

 

Wir leben in einer Welt von Vorstellungen

 

In unserer modernen Zeit weiß eigentlich jeder aufgeklärter Mensch, das wir in einer Welt von Vorstellungen leben. Das war eigentlich immer schon so und wird uns auch ganz deutlich, wenn wir uns in die Vorstellungswelt unserer eigenen Vorfahren zu versuchen setzen (zum Beispiel im Mittelalter oder noch 1000 Jahre vorher). Wir erleben es heute auch, wenn wir auf Reisen mit anderen Kulturen und ihren Anschauungen in Kontakt treten. 

Die in letzter Zeit dramatische Völkerwanderung von Menschen anderer Kulturen in den europäischen Raum und die für uns oft irrationale Aktion oder Reaktion von Machthabern machen es heute nötiger den je, sich bewusst zu werden, wie sehr auch unsere angenommenen Wahrheiten nur Vorstellungen sind.

 

Auch die Medizin arbeitet mit Annahmen und Vorstellungen, 

 

 

die sich mehr oder weniger lange halten, aber auf jeden Fall immer ändern müssen. Noch vor gar nicht so langer Zeit (1982) hat die Fachwelt zwei australische Ärzte verhöhnt (John Robin Warren und Barry Marshall), die allen Ernstes behaupteten und bewiesen, Magengeschwüre würden von Bakterien verursacht (Helicobacter pylori) und könnten mit ein paar Tabletten geheilt werden . 2005 haben sie dann den Nobelpreis bekommen. Zehn Jahre hat es gedauert, bis Chirurgen den Wechsel akzeptiert haben (bis dahin wurde nur operiert).

Die Definition ist gar nicht so einfach

Bis vor kurzem waren sich alle einig darüber, dass Arthrose irgendwie von einer Überbelastung oder Fehlbelastung herrührt. Da ist man sich heute nicht mehr ganz so sicher. Es mehren sich die Stimmen, die genau das Gegenteil vermuten, nämlich die Unterforderung des Gewebes. Diese Über- oder Unterbelastung kann alle Gelenke betreffen und somit im ganzen Körper auftreten, wobei offensichtlich nicht alle Gelenke gleich häufig betroffen sind.

Eine genaue Definition von dem Begriff Arthrose gibt es nicht. Zufrieden sein konnten wir aber auch nicht in der Vergangenheit mit der lapidaren Beschreibung, „ein „Gelenkverschleiss“, der das altersübliche Mass übersteigt.“ Eine ziemlich schwammige Formulierung. Wer setzt das altersübliche Mass fest?

Auf jeden Fall kann man die Zeichen einer Arthrose beschreiben, die wir an den Gelenken mit unseren bildgebenden Verfahren entdecken können (Ultraschall, Röntgen, Computertomographie, Magnetresonanztomographie).

Die Stadien sind genau festgelegt:

(Stadium 1) Rauigkeiten und Ausdünnung der Knorpelschicht mit quer laufenden Rillen

(Stadium 2) Zysten in abgestorbenem Knorpel- und Knochengewebe

(Stadium 3) Geschwüre

(Stadium 4) Abflachung des Gelenks und das langsame Entstehen von Randwülsten. Die Veränderung der Hüfte (Dysplasie) ist hierfür das Paradebeispiel.

Irgendwie ist es merkwürdig, aber eine Veränderung im Gelenk muss nicht zu einer Einschränkung der Beweglichkeit oder gar zu Schmerzen führen. Spielt die Gelenkveränderung also gar keine Rolle? Müssen wir darauf gar nicht achten? Oder worauf müssen wir achten?

Was bedeutet Arthrose ohne Schmerzen?

Es gibt genügend Beispiele für unerträgliche Gelenkschmerzen (von denen wir meinen, sie kommen aus dem Gelenk), ohne dass eine Unregelmässigkeit am Gelenk zu sehen ist. Die Sachlage ist also verwirrend und macht das geforderte sichere Auftreten des Diagnose stellenden Arztes und des Therapeuten schwierig. Ein Ausweg wird in der Regel so aussehen. So lange keine Veränderungen in einem Bild zu sehen sind, werden Kontrolluntersuchungen angeordnet (die natürlich nichts verändern) und um den Mangel an Ideen auszugleichen und nicht untätig dazustehen, soll ein Physiotherapeut mit konservativen Mitteln versuchen, die Situation zu verbessern. Die üblichen 2x9 Behandlungen als Verordnung in der Schweiz[in Deutschland 2x10] zeigen klar, keiner erwartet ernsthaft, dass irgend etwas sich verbessern könnte, eine offensichtliche Ohnmachtserklärung).

Man hat tatsächlich manchmal den Eindruck, mit einer Therapie wird so lange gewartet, bis sichtbare Veränderungen einen juristisch einwandfreien Grund liefern, eine der zahlreich möglichen Operationen durchzuführen. Solange wird die hilfreiche Hand des Arztes zum Wohle der Pharmaindustrie eine Kombination aus Schmerzmitteln anbieten. Eine andere, endgültige Therapie gibt es bislang nicht. Vorübergehende Linderung, ja die ist möglich, Schonung kann vielleicht den Prozess aufhalten, aber eine Heilung, die gibt es nicht.

Dabei ist unser Körper Tag und Nacht darauf eingerichtet, sofort mit der Reparatur eines jeglichen Schadens zu beginnen. Warum macht er das hier nicht und warum kann er das offensichtlich nicht an den Gelenken?

Es gibt nur eine vernünftige Erklärung für dieses Dilemma. Die Ursache des Schadens, der Grund, warum es überhaupt zu dieser Einschränkung und Veränderung gekommen ist, besteht immer noch weiter. Der Körper kann noch nicht mit den Aufräumarbeiten beginnen. So, wie eine Wunde nicht vernünftig und ordnungsgemäss heilen kann, wenn sie dauernd aufgerissen wird.

Diese altertümliche Sicht des irreparablen Schadens eines Gelenkes und das Abwarten einer Therapie, bis sich endlich eine Veränderung zeigt, diese Sicht sollten wir so schnell wie möglich verlassen und uns folgenden Standpunkt aneignen:

  • ·  Eine unausgeglichene Haltung, eine Dysbalance von Belastungsstrassen führt zur Einengung der Gelenke.
  • ·Arthrose ist vermeidbar, wenn wir die Zeichen früh genug erkennen und die Verspannung beseitigen.
  • Ein unbelastetes, in seiner Funktion nicht eingeschränktes Gelenk wird sich (soweit nötig) selbst reparieren.

Arthrose ist vermeidbar

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung. Ein Drittel der Frauen und ein Viertel der Männer zwischen 45 und 65 Jahren sollen von Arthrose betroffen sein, ältere natürlich noch häufiger. Stoffwechselerkrankungen (Diabetes, Gicht) begünstigen die Entstehung in einigen Fällen. Die offiziellen Thesen sind heute immer noch:

1.    In fast allen Fällen ist die Arthrose idiopathisch, das heisst, eine derzeit fassbare Ursache ist nicht bekannt.

2.    Arthrose ist nicht heilbar. Man kann lediglich die Beschwerden lindern und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. In schweren Fällen muss das Gelenk durch ein Kunstgelenk (Endoprothese) ersetzt werden.

Eine Ohnmachtserklärung in der Medizin. Man weiss nicht wo her die Erkrankung kommt und deswegen weiss man auch nicht, wie man sie vermeiden kann.

Die athrotischen Zeichen an den Knochen besagen lediglich, hier waren Zug und Druckkräfte über längere Zeit unausgeglichen. Sie sind aber nicht wesentlich für die Funktion, das heisst, sie schränken nicht unbedingt die Beweglichkeit ein. Vielleicht sind in dem einen oder anderen Fall die Knochenveränderungen sogar eine normale Variante, die gar keinen Krankheitswert besitzt.

Schmerzen und Arthrose gehören nicht zusammen

Seitdem wir dazu übergehen, immer grosszügiger eine ganz körperliche Diagnostik zu betreiben, kommen wir zunehmend in Erklärungsnot. Die hochauflösenden Bilder zeigen an verschiedenen Gelenken eindeutig die Zeichen einer Arthrose. Schmerzen und Bewegungseinschränkung findet man jedoch an wenigen. Wie kann das sein? Entweder ist ein Gelenk geschädigt oder nicht. Dieses Rätsel können Sie inzwischen selbst lösen. Sie wissen ja, bei einer langsamen Veränderung, auch im Gelenkbereich, sieht das Gehirn keinen Sinn darin, einen entsprechenden Schmerzbefehl in diese Region zu schicken. Das erklärt die vielen Arthrosezeichen ohne Schmerzen. Die Veränderung war so langsam, dass der Körper sich inzwischen daran gewöhnt hat. Würden Sie sich operieren lassen, wenn sie keine Schmerzen hätten, nur, weil auf einem Bild eine unerklärliche Variation entstanden ist, die in keiner Weise die Funktion einschränkt? 

Warum an einem Tag ein Schmerzbefehl gesendet wird und an einem anderen Tag nicht, kann damit erklärt werden. Es handelt sich möglicherweise um eine Borderline Situation. Entweder sind die Faszien Strassen soweit intakt, dass die Tensegrity Struktur des Körpers die verschiedenen Zug und Druck Druckkräfte in alle Richtungen verteilen kann, dann haben wir keine Schmerzen. Sollten allerdings die Faszien überspannt werden, und dazu genügt ein kleines, zusätzliches Gewicht auf der unausgeglichenen Waage, dann wird der Kraftvektor sich nach aussen umkehren und das gesamte Gewicht wird als Last und Qual empfunden. Hier wird es höchste Zeit, den “Energieabfluss“ aufzuhalten und die Tensegrity Struktur wiederherzustellen. Es geht also gar nicht um eine Veränderung an den Knochen (die man sehen kann), sondern um eine Kräfteverschiebung in den weichen Strukturen, die wir noch nicht gewohnt sind, richtig zu interpretieren (im Alter sind wir eben nicht mehr so beweglich wie früher) und die wir entsprechend auch nicht in unserer Therapieüberlegung mit einbeziehen.

Wie weit diese Dysbalance fortgeschritten ist und ob sie in der Lage ist, uns zu schädigen, hat leider überhaupt nichts mit dem Auftreten von Schmerzen zu tun. Die werden im Gehirn generiert und sind das Ergebnis einer zusammengefassten Einschätzung unserer obersten Schutzfunktion. Ist die der Meinung, wir sind in Gefahr, wird ein Schmerzsignal gesendet (in die Gegend der Belastung projiziert). Es handelt sich also nie um ein objektives Kriterium, sondern um eine subjektive Notwendigkeit.

Dennoch ist der Grad der Verspannung objektiv darstellbar. Und zwar überraschend genau. Mit einiger Erfahrung kann man nicht nur die einzelnen Muskeln identifizieren, sondern in vielen Fällen sogar die einzelnen Muskelfasern. Und zwar jeweils am Übergang der zugehörigen Faszien in den Knochen. Das Phantastische ist, wir finden immer exakt den Zustand vor, wie er sich genau in diesem Moment, in der jetzigen Situation darstellt. Grad und Ort der Verspannung können wie auf einer Landkarte eingetragen werden. Da wir uns laufend verändern, zeigt auch diese Karte schwankende Ergebnisse. So sind auf der rechten und linken Seite des Körpers bei den gleichen Fasern meist deutliche Unterschiede zu registrieren, auch die Tagesform ist entscheidend und morgens und abends finden wir abweichenden Ergebnisse und natürlich auch vor und nach einer Übung. Es sind eben lebendige Momentaufnahmen, die sofort zum Handeln auffordern, ganz anders als starre Röntgenbilder, die eine abwartende Haltung erzwingen.

Es geht um Entspannung

Sobald wir die Schmerzen aus dieser Perspektive betrachten, und nur darum geht es, nicht um irgendwelche Knochenveränderungen, lösen sich die Widersprüche von selbst auf. Wir können sofort anfangen, wirkungsvoll zu therapieren. Es geht hier nicht um die Glättung eines angefressenen Knochens. Unseren Stützapparat überhaupt zu deformieren, das soll vermieden werden. Das Gleichgewicht wieder herzustellen, ist wichtig,  Ein Schaden soll auf jeden Fall verhindert werden. Das Warten auf ein arthrotisches Zeichen auf einem Röntgenbild ist der falsche Weg, um aktiv zu werden. Man soll und kann vorher eingreifen. Der Schmerz fordert uns auf, hinzugucken und etwas zu unternehmen. Er ist nicht dazu da, uns zu quälen. Das wäre völlig unsinnig und für die Natur widersinnig. Was hätte das für einen Sinn? Eine Strafe? Wofür? Unser Körper straft nicht, er schützt uns. Der einzige Sinn des Schmerzes ist es, unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Von aussen neue Bedingungen zu schaffen, um eine Fehlsituation wieder auszugleichen.

Es sind immer die Faszien, die verschiedenen Sehnen und Bindegewebsplatten, die verkürzt und verengt sind und die an den Gelenkkapseln zerren, die Räume verkürzen, Spannung erzeugen und damit die Gelenke einengen. Diese Verkürzungen folgen den individuellen Belastungsbahnen, die sich bilden auf Grund von all dem, was den Körper in seinem bisherigen Leben beeinflusst und geformt hat. Verletzungen, Beruf, genetische Prädisposition, sportliche Aktivitäten. Nicht alle Abschnitte auf diesen Bahnen sind gleich belastet. Die bevorzugte „starke“ Muskulatur hat Vorrang und neigt als erstes zur Verspannung. Dazu kommen kulturelle, nicht mehr veränderbare Lebensgewohnheiten, bei uns das übermässig lange Sitzen mit der merkwürdigen Haltung des nach vorne geschobenen und nach hinten gebeugten Kopfes und der unnatürlichen Stellung der Maushand. Die täglichen Belastungen können die Hauptbahnen verstärken oder auch schwächen, je nach dem zu welcher Muskelgruppe sie gehören.

Die Dysbalance muss behoben werden

Bis hierhin ist eigentlich alles recht einfach logisch und nach vollziehbar. Aber jetzt kommt noch ein anderer Faktor dazu, die neurologische Verknüpfung der Gegenmuskulatur. Entgegengesetzte Muskeln und Muskelsysteme sind füreinander da, können sich alleine gar nicht bewegen und müssen sich laufend miteinander unterhalten. Wird ein Muskel stärker beansprucht, so muss sich dieser Muskel zwangsläufig stärker zusammenziehen, verkürzen. Stellen Sie sich den bei Bodybuildern so beliebten Bizeps vor. Wird der übermässig trainiert (und dabei verkürzt), muss der Gegenmuskel, in diesem Fall der Trizeps auf der Hinterseite des Oberarms genau die gleiche Spannung aufbauen wie der Bizeps. Wäre das nicht der Fall, würde der Athlet mit angewinkelten Armen herumlaufen. Bei ausgeufertemTraining ist das ja auch tatsächlich der Fall. Da aber der Trizeps weitgehend dieselbe Spannung aufbauen muss wie der Vorderarmmuskel, wird das Ellenbogengelenk eingeschnürt.

Das Prinzip können Sie auf jede andere Gelenk übertragen. Nehmen Sie zum Beispiel das Kniegelenk. Bei den vielen starken Muskeln, darf es nicht wundern, warum es so viele Knieprobleme gibt. Ein wenig geschütztes, flaches Gelenk und von oben und unten, von vorne und hinten zerren ausgesprochen dicke, starke Muskelpakete in die verschiedenen Richtungen, verschieben das Gelenk und engen es ein. Und in den meisten Fällen ist die Diagnose „Arthrose“.

Die Lösung von bisher unerklärbaren Phänomenen

Die folgenden Phänomene sind alle typisch für Arthrose und verlangen nach einer einleuchtenden Erklärung.

a.    Da sind einmal die so genannten Anlaufschmerzen. Zu Beginn einer Bewegung treten heftige Gelenkschmerzen auf, die nach ein paar Minuten deutlich weniger werden.

b.    Oder die Beobachtung der stärker werdenden Beschwerden beim Bergablaufen oder beim Treppensteigen.

c.    Dagegen scheint die Reibung in den Gelenken trotz hoher Belastung beim Radfahren keine Probleme zu machen.

d.    Und wieso schmerzt später die Arthrose dann schon in Ruhe und lässt uns nachts nicht schlafen, obwohl wir uns gar nicht bewegen und somit die Gelenkflächen nicht aufeinander reiben?

Mit unserem jetzigen Wissen können wir die oben gestellten Fragen lösen.

a.    Die Anlaufschmerzen gehen auf das Konto der verspannten Muskulatur. Mit jeder Bewegung werden die Muskeln weicher und geschmeidiger. Die Spannung in den betroffenen Sehnen nimmt ab. Der Schmerz wird weniger.

b.    Beim Bergablaufen geschieht genau das Gegenteil. Der grosse, vordere Oberschenkelmuskel wir gewaltig strapaziert. Er muss nämlich Berg ab eine für ihn schwierige Bewegung machen. Anstatt sich zu kontrahieren und zu verkürzen (dazu sind Muskeln gemacht) muss er sich bei jedem Schritt verlängern und auseinander ziehen lassen. Das geht nur holperig und führt zur massiven Verkürzung des gesamten Systems, zu Verspannung und Schmerz. Das Treppensteigen belastet auch besonders den vorderen Oberschenkelmuskel.

c.    Beim Radfahren wird das Knie nie ganz durchgestreckt. Bei gebeugtem Knie können nicht alle Muskeln verspannt sein. Die hintere Oberschenkelmuskulatur und die Wadensehnen befinden sich jetzt ausserhalb des Gelenks. Die Spannung ist aus dem Knie. Selbst wenn der Meniskus kaputt ist oder die rauen Flächen des athrotischen Kniegelenks aufeinander reiben, das Knie schmerzt nicht, weil das Knie eben nicht verspannt ist.

d.    Treten Schmerzen bei Ruhe und Schlaf auf, so kann wieder nicht die Gelenkfläche dafür verantwortlich gemacht werden, geschädigt oder nicht, denn es reibt ja nichts. Aber die durch Inaktivität verkürzen Muskeln und Faszien, ziehen sich weiter zusammen und verkleinern den Gelenkspalt, sobald keine Bewegung mehr erfolgt. Ein teuflischer Kreislauf.

 

Endoprothesen

Bei massiver Schädigung geht es nicht anders. Das Gelenk oder ein Teil davon muss ersetzt werden. Operationstechnisch ist das heute kein Problem mehr. Trotzdem sind die Resultate in viel zu wenigigen Fällen befriedigend.

Zum einen muss man sich darüber im klaren sein, dass die eigentliche Ursache, nämlich die Verspannung und die Dysbalance nicht behoben ist. Auf der anderen Seite ist eine möglichst rasche Beweglichkeit der gesamten betroffenen, bisher lahm gelegten Körperseite unbedingt anzustreben. Denn es steht zu befürchten, dass weitere, bisher noch nicht betroffene Muskelgruppen und –strassen sich weiter verkürzen, sich also die Allgemeinsituation dramatisch verschlechtern kann.

Wichtig ist, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass man künstliches, nicht bewegliches, totes Material in seinem eigenem Körper zulässt. Nicht an einer wenig belasteten, beweglichen Stelle, wie zum Beispiel bei einer Herzklappe, sondern im Gegenteil, an Knie und Hüfte werden bei jeder Bewegung ziemlich grosse Kräfte ansetzen. Diese belasteten Teile sind es, die der Körper am wahrscheinlichsten umformen wird. Die Veränderung in unserem Leben, unserer Haltung verlangt dieses. Nach 5 Jahren sind unsere Gelenke nicht mehr dieselben. Das heisst, mit zunehmender Belastung passt die Prothese nicht mehr. Wie oft kann man die austauschen? Es kommt darauf an, wie lange Sie leben. Doch von mal zu mal werden die Operationen schwieriger und aufwendiger und der Erfolg sinkt drastisch.

Osteoporose

In diesem Zusammenhang spielt auch Osteoporose eine Rolle. Das Auslagern von Kalk aus den Knochen ist für den Körper ein logischer Prozess. Je leichter der Organismus ist, um so beweglicher ist er (Tensegrity-Prinzip). Wenn auf Grund von Schmerzen Bewegungen eingeschränkt werden, beginnt eine fatale Kettenreaktion. Wenn ein Gelenk blockiert ist, zum Beispiel ein Knie, dann wird das andere Knie automatisch fehl belastet, mit der Folge, dass es auch hier zu Dysbalancen kommen muss. Von jetzt an kann man gut beobachten, wie sich der Schleier der Unbeweglichkeit um immer mehr Gelenke legt.

Durch gleichzeitigen Zug und Druck der gegenüberliegenden Muskelketten auf denselben Knochen ist der in der aktiven Phase des Lebens belastet worden. Jetzt ist Schluss damit. Ruhe kehrt ein. Der Körper braucht seine starken Knochen nicht mehr. Verzweifelte Versuche mit Vitamin D Kalk in den Knochen hinein zu pumpen scheitern oft an der Weisheit des Körpers. Dabei wäre es doch so einfach. Mein Tipp, gerade bei mangelnder Beweglichkeit. Zerren Sie an Ihren Knochen. Wie? Ganz einfach. Bleiben Sie jeden Tag, solange es geht, barfuss auf einem Bein stehen (für Fortgeschrittene mit geschlossenen Augen). Dann wechseln auf das andere Bein. Dabei weder irgendwo abstützen oder anlehnen. Wenn Ihr Körper etwas für Sie tun soll, müssen Sie ihn unter Druck setzen. Dann verändert er sich auch. Eine Altersbegrenzung hierfür gibt es nicht.

 

 

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