Also dann wieder mehr Bewegung - oder ist Sport wirklich Mord?

Intuitiv hat der moderne Mensch erkannt:  “Wir bewegen uns zu wenig“. Der Ausgleich heisst Sport. Diejenigen, die das nicht von sich aus fühlen, bekommen diese Einsicht durch einen gesellschaftlichen Konsens beigebracht, was zumindest bei Verweigerern ein schlechtes Gewissen hervorrufen soll. Was denn jetzt, ist Sport wirklich wichtig oder ist Sport gleich Mord? Antwort: beides ist richtig. Wieso werden wir gleich feststellen.

Wie die Engländer den "Sport" erfanden

Durch die Französische Revolution wurden alte Strukturen aufgelöst. Es gab keine Kriegerkaste mehr, die allgemeine Wehrpflicht verlangte fitte Bürger. Körperliche Ertüchtigung und Turnen (Turnvater Jahn) waren Elemente, die es vorher für die Allgemeinheit nie gegeben hatte. In einer Gruppe immer die gleichen Bewegungen zu machen, wo vorne einer steht und angibt, welche Bewegungen und Übungen gerade gemacht werden sollten, fanden die Engländer langweilig. Auch das "alleine sich Biegen und Verrenken" war nicht nach ihrem Geschmack. Sicher ist es ein wenig unterhaltsamer, wenn man zwei Gruppen einander gegenüber stellt, so wie es in kriegerischen Schlachten ja auch geschieht. So entstand ein Mannschaftsspiel. Aus dem ursprünglichen englischen Wort "Disport = Belustigung, Vergnügen" wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch Weglassen der Anfangssilbe der heute international gebräuchliche Begriff "Sport", ein spannender Wettkampf, bei dem es um Sieg und Niederlage geht, bei dem man Partei ergreifen kann. Und so kann tatsächlich auch der Zuschauer mitfiebern, ohne direkt am Spiel beteiligt zu sein. 

Sport als gesellschaftlichen Zwang

Heute ist Sport in den westlichen Gesellschaften ein absolutes Muss, notwendig für Persönlichkeitsentwicklung und Karriere (Beispiel angloamerikanische Colleges). In Europa ist es nicht ganz so schlimm, aber es gehört immerhin zum guten Ton, sich sportlich zu betätigen. Aber Sport ist natürlich nicht gleich Sport. Zu Beginn möchte ich eine für mich sinnvolle Einteilung vornehmen, die das Wesen der körperlichen und geistigen Ertüchtigung klarstellen soll. Da die Bedeutung weiblich und männlich zu geschlechtsbezogen aufgefasst werden könnte, möchte ich die komplexeren, asiatischen Begriffe Yin (w) und Yang (m) verwenden.

Yang Sportarten sind abgewandelte Kriegsspiele

Yang Sportarten trainieren Kraft (meist äussere, manchmal auch innere) und Masse. Sie sind praktisch alle vom Kriegshandwerk abgeleitet. Geübt werden Fertigkeiten, die zum Angriff oder zur Verteidigung unabdingbar waren. Ausdrücke und Wortwahl machen sie leicht als solche erkenntlich. Es geht um "Sieg", "Gewinn eines Pokals", einer "Trophäe" oder um "ausschalten", "fertig machen", "demütigen". Trainiert wird auf maximale Leistung. Muskel, Sehnen und Faszien werden bis zur Grenze belastet. Oft auch schon bei der Vorbereitung, einem an sich harmlosen Bodybuilding, Fitness-Training oder sanftem "Rückenstärken". Das ist viel zu häufig der Fall, weil eben immer wieder überdehnte Muskeln noch weiter belastet werden. Gesund ist das nicht, auch nicht für Hobbysportler. Etwas anders ist es mit den Profis.

Übertriebener Yang Sport ist eindeutig ungesund

Es geht mir nicht darum, Exzesse anzuklagen. Zum Beispiel ist die durchschnittliche Lebenserwartung der so hoch gefeierten und bezahlten NFL-Spieler (USA-Football) niedriger als 60 Jahre. Wenn manche sportlichen Superstars im Alter quasi Krüppel sind, weil sie zu häufig brutale Verletzung einstecken mussten, dann wussten sie, auf was sie sich einliessen. Sie tauschten Gesundheit gegen Geld. Das macht den Leistungssport tatsächlich problematisch. Bei genauer Betrachtung kann man nicht umhin, viele Trainingsmethoden mit körperlicher Quälerei gleich zu setzen. Psychischer Druck und ehrgeizige Konkurrenz führen häufig zu Mobbing und manchmal auch zu vertuschtem, sexuellen Missbrauch. Ungeschriebene Schweigegesetze lassen auch das latente Dopingproblem verschwommen erscheinen. Ob die hochverehrten und gefeierten Leistungssportler alle wirklich die idealen Vorbilder für unsere Jugend sind?

Vor jeder sportlichen Aktivität bitte Faszien entspannen

Mein Anliegen geht dahin, jedem in unserer Kultur klar zu machen, dass er irgendwo verspannt ist, wenn er älter als 20 Jahre ist. Das hier ist meine Forderung: Bevor ein Sport- oder Fitnessprogramm gestartet wird, sollten die Faszien ausgeglichen sein. In modernen Sportvereinen mit internationalem Renommee wird das perfekt durchgeführt.

Auch hier ist jeder selbst verantwortlich

Darüber hinaus gibt es bislang wenig Trainer, die wissen, welche Muskelgruppen regelmässig bei ihren Schützlingen verspannt sind und die nach jedem Training und jeder Belastung sofort die erforderliche Gegenmassnahme einleiten, nämlich die entsprechende Gegenmuskulatur mit in Betracht ziehen, das Muskelgesetz 2. In der Schule sind es wohl in erster Linie die Sportlehrer, welche die 4 Muskelgesetze an die Jugend weitergeben sollten. Gemeinsam die wenigen, allgemein gültigen Entspannungsdehnungen zu üben, würde noch mehr Verständnis und Selbstverständlichkeit bringen. Wie schwer sich Erwachsene tun als Eltern, diese einfachen Regeln umzusetzen, erlebe ich jeden Tag in der Praxis. Zu fest und tief sind allgemein gängige Vorstellungen der Schulmedizin und Physiotherapie verankert. Das Verstehen und Einsehen scheint oberflächlich nicht das Problem zu sein. Nur die Durchführung nachher in der Praxis lässt immer wieder Fehler zu.

[Im Doppelpack]  [Muskelgesetze]

Die ideale Bewegung, Yin-Harmonie und –Ästhetik

Yin-Sport hat nichts mit männlichem Kräftemessen zu tun. Es ist nicht das Gegenteil von Yang, sondern hat noch einen anderen, philosophischen Aspekt. Es geht um Bewegung, Entspannung, Lockerheit und vor allem um Beweglichkeit. Die meisten Europäer fangen an sich alt zu fühlen, wenn es keinen richtigen Spass mehr macht, Sport zu treiben. Der Tennisfreak zwischen 60 und 70 Jahren hat es nicht schwer, seinen Partner davon zu überzeugen, nur noch alle 14 Tage anstatt wöchentlich ein Match zu spielen. Er gehört schließlich der gleichen Generation an und wollte das auch schon vorschlagen. Ein paar Jahre später wird nur noch ein Doppel gespielt und dann hört man dankbar auf, weil dem einen die Schulter schmerzt und den anderen der Rücken plagt. Die Atempausen sind länger geworden, die fester geschnürten Faszien haben die Beweglichkeit verringert und grössere Schmerzen führen automatisch in die Inaktivität. Das beschleunigt erst so richtig den Weg zum Rollator.

[Verkürzung]

Beweglich mit 90 so wie mit 30. Wäre das kein vernünftiges Ziel?

Diese Entwicklung muss nicht so verlaufen. Alte, durchaus im Modernen verhaftete Kulturen, etwa in den Nordprovinzen Chinas, können Anregungen geben und Vorbilder sein. Hier versucht man mit Erfolg, Verspannungen zu vermeiden. Geschmeidigkeit wird von früher Jugend an geübt. Die Jahrtausende alten philosophischen Weisheiten (Taoismus) beschreiben eine konsequente Einheit von Körper und Geist. Die Harmonie, das Ausgeglichensein, das Vollkommene kann unverwundbar machen (Kampfkunst), heilen (Medizin) und langlebige Beweglichkeit bescheren (Schattenboxen).

Seit 2500 Jahren gepflegt und bewährt

Das ist eine Art Volkssport. Morgens versammeln sich auf öffentlichen Plätzen Junge und Alte zur Morgengymnastik. Keiner spricht mit dem anderen, keiner gibt den Ton an, nirgendwo hört man irgendwelche Kommandos. Jeder arbeitet in sich selbst versunken sein eigenes Bewegungsprogramm durch. Ruhig, gelassen, langsam, schnell. Keiner ist besser als der andere. Keiner versucht, mehr zu können als der andere. Einen Vergleich gibt es nicht. Das Resultat? Wenn Sie die Szene von weitem betrachten, wird es Ihnen nicht möglich sein, das Alter der verschiedenen Figuren zu bestimmen. Sie scheinen alle gleich jung und geschmeidig.

Die Beweglichkeit steht im Vordergrund, nicht die Vermeidung von Schmerz

Der eigentlich bedeutsame Prozess des Alterns ist nicht der in unserer Statistik stetig zunehmende Schmerz, den kann man ja verhindern, wie wir inzwischen wissen, sondern die zunehmende Unbeweglichkeit. Wir verlieren langsam sowohl die körperliche als auch die geistige Geschmeidigkeit. Die Gelenke werden steif, der Bewegungsradius wird mehr und mehr eingeschränkt, wir können uns nicht mehr richtig bücken, nicht mehr flott aufstehen und wir vermeiden Fernreisen, nicht nur mit dem Flugzeug.

[Umdenken]

Auch heute gibt es bei uns zahlreiche Angebote zu sanften Bewegungsabläufen. Wie wär's mit Tanz?

Keiner wird dazu raten wollen, wir sollten chinesische Sitten bei uns einführen. Wir haben unsere eigenen Yin- Möglichkeiten kultiviert. Yoga, Pilates, Kung Fu, Tanzen nehmen mit Recht einen immer grösseren Platz ein, nicht nur bei Frauen. Vergleichsweise sind es sanfte Sportarten, die keine kämpferischen Elemente enthalten, noch nicht einmal der eigenen Person gegenüber. Es geht um Geschmeidigkeit, Ästhetik, Entspannung, um die Freude, den Körper zu bewegen, das Fühlen des inneren Selbst, aber ebenso sind Koketterie, Selbstbewusstsein und Selbstdarstellung und auch ein wenig Sexualität beteiligt. In intakten Gemeinschaften hat der Tanz immer eine grosse Rolle gespielt, in Gruppen, als Paar oder alleine. Gerade im Alter sollten wir uns daran erinnern und daraus Lebenskraft, Freude und Entspannung schöpfen.

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[Faszie]

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