Achillessehnen-Schmerzen, Wadenschmerz

Wenn Sie morgens nach dem Aufstehen Schmerzen an der Achillessehne haben, die mit zunehmender Bewegung weniger werden, dann sollten Sie vorsichtig sein. Die Achillessehne ist überlastet und meldet sich. Dieser Anlaufschmerz, die Druckempfindlichkeit und eine leichte Rötung über der Ferse ist Zeichen einer Entzündung, ebenso, wenn sich die Situation beim barfuss gehen verschlechtert. Die Sehne kann nicht mehr richtig gedehnt werden. Das äussert sich dann am ehesten beim Berg Aufgehen. Aber wodurch kann eine so starke  Sehne überlastet werden, die locker eine Zugbelastung von 700-800 kg aushalten kann? Bei Spitzensportlern kann man sich das vorstellen, die in manchen Situationen extremen Belastungen ausgesetzt sind. Aber ein normaler Bürger? Trotzdem betreffen fast 7 % aller Sportverletzungen die Achillessehne. Männer haben hier die Nase vorn. Sie sind doppelt so häufig betroffen. Immerhin fast die Hälfte der Unfälle geschieht bei so regelmässigen Bewegungen wie Joggen und Laufen und über ein Drittel bei Ballsportarten.

Die Frage nach den Ursachen ist einfach beantwortet. Die Sehne, obwohl im Ganzen stark, wird eben nicht gleichmässig belastet. „Asymmetrische Zugverhältnisse mit einer gestörten Fersenführung“ nennen das die Experten. Und jetzt achten Sie auf deren Erklärung: verantwortlich dafür seien unpassendes Schuhwerk, Drehung des Fusses durch ein eingesunkenes Fussgewölbe (Senkfuss-, Knick-, Plattfuss) und Zehenanomalien (Fehlstellung, Gelenksschaden, Warzen).

Es ist kaum zu glauben, aber in der medizinischen Literatur werden Symptome, die auf eine jahrelange Fehlbelastung des Fusses hinweisen, als Ursache benannt? Doch die Frage ist “Wodurch kommt es zu einer Fehlbelastung, die den Fuss an unterschiedlichen Stellen zu einer Reaktion zwingt?“ Die lapidare Antwort kennen wir bereits: durch eine Dysbalance, durch etwas, was das Gleichgewicht gestört hat. Da der Fuss alles tragen muss, was sich über ihm befindet, kommen eine ganze Menge Stationen infrage, vom Fussgelenk über Knie, Hüfte, Wirbelsäule, Schulter bis zum Kopf. Wenn die Ursache nicht sauber geklärt ist, wird es immer wieder zu den unterschiedlichsten Problemen im Fuss kommen müssen. Das muss man sich ganz klar verinnerlichen. Es wird auch keinen mehr wundern, dass nicht nur einzelne Gelenke, sondern ganze Belastungsstrassen davon betroffen sind. Die weithin übliche Lösung, einen “passenden Schuh“ zu finden, kann nicht greifen. Nicht der Schuh muss sich ändern, sondern der Fuss.

 

Eine Dysbalance in der Wadenmuskulatur

Wenn wir unser waagerecht ausgestrecktes Bein betrachten, dann fällt es nicht schwer sich, sich selbst als Kutscher zu sehen, der einen Pferdekopf (Fuss) mit einer Trense im Maul lenkt. Tatsächlich ist das Bein so aufgebaut. Die Zügel liegen mehr oder minder straff an den Seiten des Beins, da wo wir auch tatsächlich verspannte Faszien wahrnehmen. Mit dem Zug nach rechts oder links von unserem Zügel kann die Fussstellung verändert werden. Wenn Sie Ihr abrollen des Fusses beobachten werden Sie feststellen, dass sie, wie die meisten von uns, entweder die Aussenseite oder die Innenseite betonen. Beides muss zu einer Verzerrung im Fuss führen. Die Zügel, die sie in der Hand haben, bieten die einzige, leichte Möglichkeit, diese Fehlstellung zu korrigieren. die starke Achillessehne kann natürlich beim Lenken auch eine Rolle spielen, vor allen dann, wenn ein ungleicher Zug auf der Wadenmuskulatur liegt. Die Achillessehne geht nach oben Y-förmig in den zweiköpfigen Wadenmuskel über und setzt mit jedem seiner Muskelbäuche rechts und links am Oberschenkel an. Wenn Oberschenkel und Unterschenkel nicht exakt aufeinander stehen oder wenn eine Seite der Zügel straffer ist als die andere, dann wird ein Muskel von beiden stärker belastet. Mit der Zeit wird er durch das Training besser ausgebildet sein, sein Anteil an der Achilles-Ferse wird straffer und er wird immer mehr die Hauptarbeit übernehmen. Damit aber nicht genug. Es gibt noch einen tiefer liegenden, dritten Muskel (Schollenmuskel), der auch einen Teil der Achilles-Ferse für sich beansprucht. Dieser kann noch eine andere Spannung haben. Jetzt wird es klar, nur wenn alle Teile gleich trainiert und belastet sind, haben wir es mit der grossen, starken Sehne zu tun. Im anderen Fall wird eine halbe (oder ein drittel) Sehne leicht überbelastet oder gar reissen. (Sie sehen wie wichtig richtiges Muskeltraining und passende Entspannungsübungen sind) Unsere moderne Lebensführung tut ihr übriges und verleitet uns zu langer Inaktivität und übertriebener Muskelaktivität. Wir sitzen buchstäblich in einer Falle. Zur Erinnerung: Die Verkürzung einer Sehne und des dazugehörigen Muskels kann nur in zwei Fällen erfolgen. Einmal, wenn die Muskulatur wenig in Aktion tritt und zu anderen, wenn eine immer wieder gleichförmige Bewegung von ihr verlangt wird. Inaktivität. Die normale Beinhaltung ist ein gestrecktes Bein, wie beim Stehen, Laufen und Liegen. Schon bei leichter Beugung des Knies sind die beiden Bäuche des oberflächlichen Wadenmuskels verkürzt. Das ist immer der Fall beim Sitzen und auch beim Schlafen auf der Seite mit angezogenen Beinen. Während ca. 2/3 des Tages ist die Wadenmuskulatur zur Untätigkeit verdammt und verkürzt sich. Gleichförmige Bewegung.   Was man immer wieder vergisst ist, Laufen, Joggen und auch Radfahren sind einseitige Bewegungen. Auch hier ist die Verkürzung unvermeidlich. Ausserdem behindern unsere festen Schuhe eine permanente, ausgeglichene Bewegung.

Wenn wir von der langen, inaktiven Sitzphase des Tages am Abend oder am Wochenende plötzlich in eine belastende sportliche Aktivität überwechseln, dann ist die Achillessehne sehr schnell überlastet. In diesem Moment treten am häufigsten die Schmerzen auf.

 

Entzündungen

Je nach Dauer der Bewegungseinschränkung, dem Schweregrad der zunehmenden Dysbalance und der kontinuierlichen Belastung finden wir unterschiedliche Stadien. Im Anfang werden die entzündlichen Reaktionen im Vordergrund stehen, in denen sich der Körper noch wehrt und versucht eine Änderung herbeizuführen, die Entzündung der Sehne selbst, der Sehnensscheide oder des Schleimbeutels. Im akuten Stadium ist vor allen Dingen Ruhe wichtig, sodass die Entzündung der abklingen kann. Elastische Baumwollpflaster auf der Haut (Tapes) können für lokale, mechanische Entlastung sorgen und fördern die lokale Durchblutung. Eine Cortison Injektion würde ich nicht in Betracht ziehen. Es ist schwer, das Medikament in den schmalen Spalt der Sehnensscheide exakt zu platzieren. Gelangt es in die Fasern der Sehne kommt es zur Gewebeauflösung und Instabilität.

 

 Degenerative Veränderungen

In einer normalen, gesunden Achillessehne liegen die Fasern nebeneinander ausgerichtet wie die Haare eines Geigenbogens. Die Sehne ist schlank und nicht druckempfindlich. Fühlt sich die Sehne dicker und aufgedunsen an und ist auf Druck schmerzhaft, dann liegen die Fasern nicht mehr parallel sondern sind in verschiedene Richtungen wie ein Filz verwoben. Da können kleine Risse in der Sehne vorausgegangen sein oder es sind Rückstände von einer Entzündung. In dieser unkontrollierten Verdickung können als Zeichen mangelnder Gewebeaktivität Kalkablagerungen zu finden sein. Manchmal sieht sich der Körper sogar gemüssigt, einen knöchernen Sporn auszubilden. Das sind alles Zeichen von massiver myofasziale Verspannung. Untersucht man die Unterschenkel und Fussmuskulatur genauer, so sind die meisten Muskeln verkürzt und können ihre Funktion nur mangelhaft wahrnehmen. Wir haben viel zu früh unsere Füsse in festes Schuhwerk gepresst, haben versäumt, die vielen Muskeln zu trainieren, indem wir barfuss laufen und können die mannigfachen Funktionen die eigentlich möglich wären überhaupt nicht mehr ausführen. Die Muskeln verkümmern und die Sehen werden kürzer. Das betrifft auch die Sportler, die regelmässig joggen und laufen. Gerade beim Rennen auf ebener Fläche werden immer nur dieselben wenigen Muskeln beansprucht.

 

Die Achillessehne als Energiespeicher ist noch länger

Praktisch die gesamte Zehenmuskulatur ist durch Tragen von Schuhen und Laufen auf künstlicher Oberfläche inaktiv geworden. Es handelt sich um über 30 Muskeln im Fuss, die wir nicht mehr willkürlich ansteuern und bewegen können. Die meisten von uns wissen noch nicht einmal, wofür diese Muskeln überhaupt da sind. Beim schnellen Laufen über spitze Steine oder knorrige Wurzeln musste sich der Fuss sofort seine Umgebung anpassen und entsprechend konnten sich die Muskeln reflektorisch bewegen, ohne das Gehirn einzuschalten. Beinahe Naturvölkern ist das heute noch selbstverständlich und wir können auch jeden Tag diese Fähigkeit bei unseren Hunden sehen. Bei jedem Untergrund sind Sie in der Lage, entspannt zu laufen. In den meisten Anatomiebüchern hört die Achillessehne hinten an der Ferse auf. Funktionell geht die Sehne auf der unteren Seite des Fusses weiter bis zu den Zehenspitzen. Damit hat sie eine Länge, die auch bei Tieren (Kängurus) deren hohe Sprungkraft erklärt. Die Energie, die beim Laufen in der Achillessehne gespeichert wird, kann so problemlos über die starke Platten förmige Faszie des Fussunterseite weitergeleitet. Eine wesentliche Erleichterung beim Gehen. Diese Funktion ist ein wenig in Vergessenheit geraten und ist nur durch besondere Übung wiederzuerlangen.

 

Lokale Veränderungen des Gleichgewichts in Unterschenkel und Fuss

Mit diesen Übungen sind im Allgemeinen die Schmerzen im Sehnenbereich zu beheben. Wenn Sie Unterschenkel und Fuss genauer ansehen, werden Sie noch andere Bereiche finden, die deformiert und eingeschränkt sind. Die werden durch die Übungen auch profitieren. Der Fuss wird insgesamt besser funktionieren. Für eine endgültige Lösung muss das Ungleichgewicht aus den oberen Etagen entfernt werden. Die Muskeln der Achillessehne liegen flach auf den anderen Muskeln der Wade, denen andere Bewegungsaufgaben für den Fuss aufgetragen sind. Durch unsere Angewohnheit, mit festen Schuhen zu gehen, wird das natürliche Abrollen des Fusses nicht mehr ausreichend geübt. Die Folge ist auch hier eine Sehnenverkürzung. Und es geschieht noch etwas, die Muskelbäuche verkleben miteinander und behindern sich damit gegenseitig in ihrer Funktion. Alle Muskeln spannen immer mehr an, verlieren aber dennoch an Kraft. Man kann sich das so vorstellen, dass nur ein Teil des Muskels (meist der Mittelteil) kontrahiert und damit verspannt ist. Der Rest bleibt inaktiv und kann keine Leistung mehr bringen.

 

Venenklappen und Ödeme

Die wichtige Pumpfunktion dieser Muskeln, die Blut und Lymphe aus dem unteren Körperbereich nach oben transportieren sollte, wird nach und nach schwächer. Krampfadern und Ödeme sind die Folge. Die richtige selbst zu Hause durchgeführte Dehntechnik mit ganz einfachen, aber sehr wirkungsvollen Übungen für die Sehne wird in der Folgezeit das Risiko für eine erneute schmerzhafte Überlastung weitgehend ausschliessen. Nach der Dehnung, der Lösung von verspannten Teilen, dem Ausstreichen von Triggerpunkten muss das Muskelsystem wieder aktiviert werden. Ein achtsames Training aller Muskelteile lässt einen lebenden, neuen Muskel entstehen.